Les systèmes privilégiés de la physique relativiste: exposé méthodique et critique des théories d’Einstein

von Augustin Sesmat

Les systèmes privilégiés de la physique relativiste:
exposé méthodique et critique des théories d’Einstein
Augustin Sesmat

Paris: Hermann 1936 –  450 S.  – books.google.de

Die Forschungsgruppe G.O. Mueller referiert stichworthaltig in ihrer Dokumentation Über die absolute Größe der Speziellen Relativitätstheorie (Textversion 2.1 – Juni 2004) diese Arbeit von Augustin Sesmat:

Bezeichnet sich im Untertitel als „exposé … critique“, beschließt das Werk sogar mit einem „Essai critique sur la physique relativiste“ (S. 397-444). Die vorangehende Darstellung der Speziellen Relativitätstheorie  (S. 49-205) ist jedoch keineswegs kritisch, sondern durchweg apologetisch; sie vertritt allerdings bei der Rechtfertigung der Theorie in sich widersprüchliche Positionen: z.B. wird zunächst die volle Reziprozität der kinetischen Effekte (Längenkontraktion, Zeitdilatation) behauptet: „C’est un aspect de la réciprocité des changements qu’exige le principe de relativité“ (S. 72), später aber wird die Reziprozität zur Rettung der Realität der Effekte widerrufen: „… sans réciprocité, qu’elle paraît contractée à l’observateur de S’.“ (S.152).

Bewirkt wird diese Kehrtwendung durch das inzwischen vom Autor eingeführte „système privilégié“, worin das Hauptanliegen des Buches besteht. Der abschließende „Essai critique“ kritisiert – ohne die Apologie der Darstellung ausdrücklich zu widerrufen – den positivistischen Ansatz Einsteins („tout positivisme conséquent est intenable“, S. 401), weil er sich dann auf reine Beobachtungsdaten beschränken müßte, wodurch die richtigen Problemlösungen verhindert würden; die Einwendungen gegen die klassische Physik sind nicht stichhaltig begründet (S. 421 ff.); die Theorie steht erkenntnistheoretisch auf unsicherem Boden (S. 424 ff.); es fehlen „des garanties d’objectivité incontestables“ (S. 427 ff.); die experimentellen Bestätigungen „ne paraissent pas toutes absolument décisives“ (S. 430 ff.); die Komplexität der physikalischen Phänomene widersetzt sich den zu einfachen Erklärungen (S. 433 ff.).

Die Kritik im Schlußkapitel ist erheblich, kontrastiert jedoch offensichtlich mit der apologetischen Tendenz der Darstellung: deren Apologetik beruht allerdings auf der Einführung eines „privilegierten Systems“, was wahrscheinlich von den Relativisten entschieden zurückgewiesen würde. Mit dieser Maßnahme will Sesmat die Theorie retten, demonstriert damit aber indirekt die Schwäche der Theorie.

– Gewissermaßen führt Sesmat ganz offen ein absolutes System ein, wie Einstein es 1905 (S. 892) heimlich, ohne Deklaration getan hat: damit wird der Grundfehler der Theorie mit aller wünschenswerter Deutlichkeit sichtbar.

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