Schluß mit der Ausbildung der Physikstudenten als Papageien!

von Jocelyne Lopez

Der Erkenntnistheoretiker und Nobelpreisträger Karl Raimund Popper hat in seinem gemeinsamen Buch mit dem Nobelpreisträger Konrad Lorenz Die Zukunft ist offen  mit den Texten des Wiener Popper-Symposiums 1985 äußerst bedeutsame Gedanken über die Naturwissenschaften geäußert:

„Ich möchte mit einem Bekenntnis zur Naturwissenschaft beginnen. Die Wissenschaft steht heute unter dem Einfluß von sehr fragwürdigen modernistischen Strömungen. Sie wird nicht nur von außen, sondern auch von innen angegriffen. Aber ich halte die Naturwissenschaft neben der Musik, der Dichtung und der Malerei für die größte
Leistung des menschlichen Geistes. Natürlich kann alles mißbraucht werden. Auch die Musik kann mißbraucht werden, und sie wird mißbraucht. Auch die Malerei kann mißbraucht werden, und sie wird mißbraucht. Und so wird auch die Wissenschaft mißbraucht. Trotzdem ist die Naturwissenschaft unsere größte Hoffnung. Wenn wir uns aus dem Sumpf, in den wir geraten sind, heraus­ziehen können, dann sicher nur mit Hilfe der Wissenschaft.
[…]
In der Wissenschaft gibt es kein Wissen in dem Sinn, in dem man normalerweise im Deutschen vom Wissen spricht. Das wissenschaftliche „Wissen“ ist kein Wissen: Es ist nur Vermutungswissen. Es kann passieren, daß es im Zentrum der Wissenschaft, dort, wo wir es am wenigsten vermuten würden, zu einer Änderung kommt, so daß sich alles ändert. […] Wir wissen nicht, an welcher Stelle die Revolution, die Neuentdeckung kommt. Wir können es nicht voraussehen.
[…]
Wir können in der Wissenschaft nach Wahrheit streben, und wir tun das. Wahrheit ist der grundlegende Wert. Was wir nicht erreichen können, ist Sicherheit. Auf die Sicherheit müssen wir verzichten. Sicherheit, Gewißheit können wir niemals bekommen. Alles, was wir tun können, ist, daß wir unsere eigenen, von uns geschaffenen Theorien selbstkritisch überprüfen, daß wir selbst versuchen, unsere Theorien zu zerschlagen, zu widerlegen
.

Die kritische Einstellung ist das Wesentliche in der Wissenschaft. Zuerst also schaffen wir die Theorien, und dann kritisieren wir die Theorien. Da wir sehr menschlich zu unseren Theorien eingestellt sind und gewöhnlich unsere Theorien verteidigen, statt sie zu kritisieren – nämlich unsere eigenen Theorien – gibt es so etwas wie einen freundlich-feindlichen Wettbewerb zwischen den Wissenschaftlern. Wenn ich meiner Theorie nicht kritisch genug gegenüberstehe, gibt es hundert Leute, die meiner Theorie sehr kritisch gegenüberstehen. Und diese kritische Einstellung muß man begrüßen„. (Karl Popper)

Die kritische Einstellung ist das Wesentliche in der Wissenschaft. Und doch erleben wir seit über 80 Jahren in der theoretischen Physik einen unvorstellbaren und in hohem Maße unwissenschaftlichen Zustand: Der drastische Ausschluß und die völlige Ausblendung jegliche Kritik im öffentlichen Bildungs- und Forschungs-system im Zusammenhang mit der als einzig gültig und als bestens bestätigt erklärten Theorie von Albert Einstein aus dem Jahre 1905, die Spezielle Relativitätstheorie.

Dabei wird überall und weltweit im freien Medium Internet seit Jahren die Existenz einer ungebrochenen und vielfältigen fachlichen Kritik dieser Theorie durch qualifizierte Autoren dokumentiert, wie zum Beispiel mit dem GOM-Projekt Relativitätstheorie über 95 Jahre weltweite Kritik der Speziellen Relativitätstheorie oder auch zum Beispiel in unserem Blog „Kritische Stimmen zur Relativitätstheorie“ im kleineren Rahmen.

Man erlebt auch dadurch seit mehr als 100 Jahren, dass ein Erkenntnisfortschritt in Forschung und Lehre nicht möglich ist: Wertvolle kritische Argumentierungen und widerspruchsfreie Alternativmodellen sind vorhanden, die die etablierte Physikgemeinde konstruktiv untersuchen sollte, nicht zuletzt aufgestellt von hochrangigen und hochqualifizierten Wissenschaftlern. Sie werden alle nicht beachtet, sie werden geschmäht, totgeschwiegen oder ohne jeglichen wissenschaftlichen Meinungsstreit als wertlos unwiderruflich disqualifiziert, sowie allen Generationen von Physikstudenten vollständig vorenthalten.

Erst wenn das Thema Kritik der Speziellen Relativitätstheorie nicht mehr Tabu in den Universitäten und offiziell „freigegeben“ wäre, würde sich das Problem des einseitigen und kritiklosen Tradierens  eines ungesicherten Wissens von allein lösen: etablierte wissenschaftliche Verlage würden kritische Bücher oder Artikel veröffentlichen, in Lehrbüchern und im Unterricht könnten kritische Einwände untersucht und Quellen genannt werden, die in allen Universitätsbibliotheken zu finden sein könnten, kritische Autoren könnten zu Gastvorträgen bei Seminaren eingeladen, kritische Thesen von der etablierten wissenschaftlichen Presse behandelt, Experimente von Kritikern in den Universitäten  vorgeführt oder wiederholt werden, die öffentliche Diffamierung gegen die Privatpersonen von Kritikern würde verpönt sein und aufhören. Die theoretische Physik würde sich im Selbstgang sanieren und ein normaler wissenschaftlicher Betrieb sich von allein einstellen.

Es gibt laut dem Direktor vom Albert Einstein Institut Prof. Dr. Hermann Nicolai gegenwärtig „zwei C4 (W3) Professuren an deutschen Universitäten“ für die Relativitätstheorie, wobei es kaum noch „Nährboden für Einsteins Nachfolger“ mehr bestehen soll. Man sollte genau gleichberechtigt zwei C4 (W3) Professuren mit allem, was dazu gehört für die Lehre der Kritik der Relativitätstheorie ausschreiben und die Sanierung der theoretischen Physik wäre gewährleistet. Eine kostengünstige und sachgerechte Lösung, die jedem nur Recht sein kann und die ohnehin als Pflicht für den Staat im Grundgesetz verankert ist, siehe „Bonner Kommentar zum Grundgesetz“  Art. 5 § 3 GG „Wissenschaftsfreiheit“, zum Beispiel:

Unkonventionelle Forschungsrichtungen und –ergebnisse oder auch Lehrmethoden dürfen nicht begrifflich ausgegrenzt werden, denn gerade Außenseiter bedürfen des Schutzes davor, dass sie durch die „herrschende Meinung“ an der wissenschaftlichen Entfaltung gehindert werden (Notwendigkeit von Innovationsoffenheit);

Der Staat, der sich als Kulturstaat versteht, hat die Pflege der freien Wissenschaft und ihre Vermittlung an die nächstfolgende Generation durch Bereitstellung von personellen, finanziellen und organisatorischen Mitteln zu ermöglichen und zu fördern.

[Hervorhebungen durch J. Lopez]

Die Physikstudenten stellen in hohem Maße die Zukunft der Forschung und des Erkenntnisfortschritts in der theoretischen Physik dar. Sie sollen die Probleme lösen, die noch ungelöst sind, sie sollen die Fragen klären, die noch ungeklärt sind, man darf ihnen nichts verstuschen und nichts verschleiern, sowie ihnen auch nicht die gewaltige Vorarbeit vorenthalten, die weltweit seit 100 Jahren von qualifizierten Wissenschaftlern in diesem Gebiet geleistet wurde. Eine Ausbildung besteht nicht daraus, dass jeder Student das Rad selbst neu erfinden muss, sondern es bestehen der Anspruch und das Recht darauf, die Leistungen zur Kenntnis zu nehmen, die schon erbracht wurden.

Wir fordern die Einbeziehung der Kritik in die Lehre der Speziellen Relativitätstheorie in den Universitäten.
Schluß mit der Ausbildung der Physikstudenden als Papageien!

Eine Antwort zu “Schluß mit der Ausbildung der Physikstudenten als Papageien!”

  1. Luitpold Mayr

    Die etablierte Physik wird mit allen Mitteln die Einrichtung eines Lehrstuhls für die Kritik der RT verhindern. Und sollte der eher unwahrscheinliche Fall eintreten, dass ein solcher Lehrstuhl eingerichtet wird, so werden sie ihn mit einem Relativisten besetzen.

    Trotzdem finde ich den Vorschlag gut. Er steht als konkrete und prinzipiell erfüllbare Forderung im Raum und könnte, bei entsprechender Publizität, die Aufmerksamkeit von Politik und Öffentlichkeit für den bestehenden Mißstand erwecken.