Möglichkeit und Deutung der absoluten Konstanz der Lichtgeschwindigkeit

von Otto Brühlmann

Das GOM-Projekt referiert stichwortartig in seiner Dokumentation zwei Arbeiten von Otto Brühlmann:

1931 – Möglichkeit und Deutung der absoluten Konstanz der Lichtgeschwindigkeit
Leipzig: Hillmann 1931.  – Kurzfassung der früheren Veröffentlichung.: Wille und Licht.
Teil 1: Licht und Kraft in der Physik. Bern 1924 –
buchfreund.de

– Brühlmann analysiert die behauptete absolute C-Konstanz für alle beliebig bewegten Beobachter: zuerst muß man sich eine klare Vorstellung machen, „von solch einer
wunderbaren Bewegung eines raschen Etwas, dem man umsonst entgegenrennt oder vor ihm flieht, immer erreicht es uns mit einer und derselben Geschwindigkeit. Dieses Etwas kann sich also nicht unabhängig von uns, wie ein Geschoß bewegen … Wenn jedes erkennende Subjekt ein Lichtsignal mit derselben Geschwindigkeit empfängt wie irgendein anderes relativ zu ihm gradlinig und gleichförmig bewegtes [Subjekt], dann heißt das: Jedes wahrnehmende Subjekt hat sein eigenes Lichtsystem“ (S. 4).

– Konstruiert den Fall: ein beliebig bewegter Beobachter empfängt ein Lichtsignal, und genau in diesem Moment saust ein anderer Beobachter an ihm vorbei, „dann müssen beide dieses Lichtsignal im selben Moment empfangen“ (S. 4-5): beide können „nicht dieselbe Wahrnehmung haben“ (S. 5).

– Die behauptete Relativierung der Gleichzeitigkeit führt zu dem Widerspruch, daß „dieselben zwei einmaligen Ereignisse sowohl wirklich gleichzeitig als wirklich ungleichzeitig gewesen sein können“ (S. 5).  Die Analyse dieser „wunderbaren Bewegung“ verbindet größte Detailgenauigkeit zugleich mit höchster Süffisanz und könnte als reine Ironie verstanden werden: Jedem Beobachter ein eigenes Lichtsystem!

– Demonstriert schlagend, daß allein eine „klare Vorstellung“ von den Behauptungen der Relativisten ausreicht, all die Fehler aufzuzeigen, die noch nicht zu „Paradoxa“ veredelt und als Rätsel der Natur für den grübelnden Intellekt hoffähig gemacht worden sind.

 

1932 – Licht gestaltet Physik: erkenntniskritische Untersuchung der physikalischen Gestaltung,
grundsätzliche Sicherung der Lorentz-Transformation u. Aufhebung der speziellen Relativitätstheorie
Braumüller, Wien 1932 – Universitätsbibliothek Wien

Gleichzeitigkeit (GLZ) und Eigenzeit ( S. 24-28): Brühlmann bestreitet der Physik die Zuständigkeit zu definieren, was Zeit und Gleichzeitigkeit sind; die Physik hat sich nur um die beste Art ihrer Feststellung zu kümmern.

– Das Licht als Instrument zur Feststellung der GLZ breitet sich in alle Richtungen gleich schnell aus; wir können daher „aus dem zeitlichen Eintreffen der Lichtsignale bei uns und aus den räumlichen Abständen zu den Ereignisorten über den Zeitunterschied und damit über die Gleichzeitigkeit der Ereignisse urteilen. Die Mitte zwischen den Ereignisorten einzunehmen ist nicht nötig“ (S. 25).

– Bringt zur behaupteten Relativierung der GLZ durch Einstein mit dessen Eisenbahnbeispiel (Bahndamm mit Zug und zwei Blitzen) 3 Einwände vor (S. 27):

(1) Einstein läßt die Blitze beim Bahndamm-Beobachter gleichzeitig eintreffen, bevorzugt damit einen Beobachter und verletzt damit sein eigenes Relativitätsprinzip: „Bezeichnend und verräterisch ist es, daß der Bahndammtyp dem Zugtyp vorgezogen wird.“

(2) „In dem Satz, daß M’ den Strahl von A früher sehen müsse als den von B, liegt verborgen die Voraussetzung einer für beide Beobachter geltenden, also objektiven Gleichzeitigkeit, welche aber am Schluß als wegbewiesen gelten soll“.

(3) „Wer einem Beobachter ermöglicht, seinem Licht entgegenzueilen oder vor ihm zu fliehen, leugnet die absolute Konstanz der Lichtgeschwindigkeit.“

Fazit: die angeblichen Voraussetzungen (Relativitätsprinzip, C-Konstanz) werden mißachtet, und die hinwegzubeweisende GLZ ist von Anfang an da. „Mit diesem Beispiel hat sich Einstein recht sehr in die Nesseln gesetzt; merkwürdig, daß er’s darin so lang aushält.“

– Wundert sich darüber, daß „Physiker und Philosophen sich windend und Ausflüchte suchend ihre Fittiche über Einstein halten, so daß es ernsthaften Denkern darüber ekelt“ (S. 28).

– Die Messung von bewegten Körpern (Längen, Zeiten) kann nicht zu Veränderungen der Dimensionen führen, sondern nur zu Meßfehlern: „Das Messen von Längen braucht Zeit, das Messen von Zeiten wieder Längen; das Licht aber, als Verbindung zwischen Subjekt und Objekt, braucht auch Zeit, und so führt das Messen am Bewegten zu einer ganz verzwickten Verknüpfung von Raum- und Zeitdaten, … weshalb Fehler in der Messung entstehen“ (S. 32).

– Hält Einsteins Interpretation und Folgerungen aus der Lorentz-Transformation (S. 41-47) entgegen:

(1) Aus Transformationsgleichungen erfährt man keineswegs etwas über das „Verhalten von Maßstäben und Uhren“; die Annahme von Gegenstandsveränderungen ohne ursächliche Kraftwirkungen durchbricht das Kausalprinzip.

(2) Die behauptete Längenkontraktion kann jeder Beobachter vom anderen behaupten, somit seien alle verkürzt und wieder gleich; die Argumentation mit „wirklicher“ und „scheinbarer“ Länge ist eine unwirksame Ausrede.

(3) Für die behauptete Zeitdilatation gilt Analoges.

– Prangert die Bedingungen der sozialen Durchsetzung der Theorie an (S. 44-47): die Philosophen lassen es zu, daß die Physiker aus ein paar Formeln eine Philosophie machen, und fürchten, „man könnte sie, wenn sie widersprächen, gesunden Menschenverstandes bezichtigen, was für „echte“ Wissenschaftler heute besonders schmachvoll ist“ (S. 44). „Hunderte von ehrlichen Denkern haben seine [Einsteins] Relativitätssätze entkräftet. Aber ihr Wirken war immer nur negativ …“ (S. 46). 

Bringt seine scharfblickende, vernichtende Kritik der Theorie um einen Teil ihrer Wirkung durch gleichzeitige Vermengung mit einer Darstellung seiner eigenen Theorie, die sich bekannter Bezeichnungen (z.B.: absoluter Raum) bedient, aber ganz eigene Begriffe damit verbindet. Ein leider häufig anzutreffender taktischer Fehler der Kritik, der sich in ihrer Wirkungsgeschichte als verhängnisvoll erwiesen hat: die „eigenen“ Theorien der Kritiker sind gewöhnlich ebenso leicht zu demontieren wie die Einsteinschen, und folglich wird auch ihre Kritik nicht mehr ernstgenommen; Brühlmann beklagt sich darüber in seinem Vorwort (S. IV). Seine Verwunderung und sein Ekel über die bis heute anhaltenden und laufend neu erfundenen Ausflüchte der allerdümmsten Art sind Allgemeingut der Kritiker.

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