Über einige philosophische Argumente gegen die Relativitätstheorie

von Hugo Bergmann

Über einige philosophische Argumente
gegen die Relativitätstheorie
Hugo Bergmann

Artikel in Kant-Studien, 1928, Band 33, Heft 1-2, Seiten 387–404
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Das GOM-Projekt referiert stichwortartig in seiner Dokumentation diesen Artikel von Hugo Bergmann:

Bergmann hält folgende Kritikpunkte für „philosophische Argumente“:
(1) daß die Bestimmung der Lichtgeschwindigkeit bereits eine Definition von Weg und Zeit voraussetzt;
(2) C-Konstanz: C kann nicht von allen beliebig bewegten Beobachtern als gleich gemessen werden; hält diese Kritik für unbegründet.

– Erkennt eine grundsätzliche Berechtigung des Einwands an, in der Speziellen Relativitätstheorie würde versucht, physikalische Probleme durch Änderung der Messungsbasis zu lösen, was zu einem Durcheinander führen muß (S. 392). 

– Hält zur Längenkontraktion die Kritik für unberechtigt, weil zwischen den Inertialsystemen volle Reziprozität herrscht: die Längen „erscheinen“ nur verkürzt (S. 393).

-Stimmt O. Kraus zu, daß es zur Definition der Messung gehört, daß die Maßeinheit unveränderlich gedacht wird. (S.393). „Bewegtes und ruhendes System sind Betrachtungsweisen. Die objektiven Ereignisse selbst sind identisch und werden nicht dadurch beeinflußt, daß wir sie einmal als angehörig dem ruhenden, einmal als angehörig dem bewegten System betrachten“ (S. 394).

– Hält Bergsons Kritik des Zeitbegriffs der Speziellen Relativitätstheorie für berechtigt, „aber sie geht den Physiker nichts an“ (S. 403).

Gilt als Anhänger der Speziellen Relativitätstheorie, setzt sich jedoch mit größter Sachlichkeit mit den Argumen-ten der wichtigsten Kritiker auseinander, worin er im Jahr 1928 eine rühmenswerte Ausnahme darstellt. Seine Abwehr der Kritik durch Hinweis auf die volle Reziprozität der Systeme und seine Bewertung der Längen-kontraktion als scheinbaren Effekt bringen ihn objektiv in Gegensatz zu den Positionen der Relativisten; besonders deutlich wird dies in seiner Anerkennung der Kritik Bergsons. Bergmann vertritt mehrere Positionen, die von den Kritikern als Kritik vorgebracht werden.

Eine der seltenen Zusammenfassungen der Kritik aus der Sicht der Theorie-Vertreter.

 

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