Betrug und Täuschung in der Wissenschaft

von William Broad und Nicholas Wade 

Betrug und Täuschung in der Wissenschaft
William Broad und Nicholas Wade
Birkhäuser Verlag AG (Januar 1984)
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Originalausgabe:
Betrayers of the Truth – Fraud and Deceit in the Halls of Science

Zitate aus dem Buch aus der Homepage von Ekkehard Friebe:

 

Zitat von Seite 166 – 167:

„Erst wenn man einräumt, dass in der Wissenschaft auch nichtrationale Elemente vorhanden sind, kann man das Phänomen des wissenschaftlichen Betrugs verstehen. Umgekehrt wirft die Untersuchung des Betrugs ein Licht darauf, wie die nichtrationalen Elemente im wissenschaftlichen Prozess wirksam werden. Der Betrug findet zusammen mit den nichtrationalen Elementen Eingang in die Wissenschaft und ist häufig erfolgreich, weil eben diese Elemente zu seinen Gunsten wirken.

Das Akzeptieren von Betrug ist die eine, der Widerstand gegen neue Ideen die andere Seite der bekannten Medaille. Betrügerische Ergebnisse werden in der Wissenschaft eher akzeptiert, wenn sie plausibel dargestellt werden, wenn sie zu bestehenden Vorurteilen oder Erwartungen passen, und wenn sie von einem entsprechend qualifizierten Wissenschaftler stammen, der einer Eliteeinrichtung angehört. Radikal neue Ideen in der Wissenschaft werden gern abgelehnt, wenn ihnen genau all‘ diese Eigenschaften fehlen.

Nur wenn man annimmt, dass Logik und Objektivität die einzigen Torhüter der Wissenschaft sind, können die Allgegenwart und der häufige Erfolg von Betrug überhaupt überraschen. Nur wenn man annimmt, dass die Replikation die unerbittliche Prüfung ist, der sich alle Ergebnisse unterziehen müssen, ist das Fortbestehen von Betrug schwer zu verstehen.

Wie die Sünde unter den Gläubigen dürfte der Betrug in der Wissenschaft nicht vorhanden sein und schon gar nicht florieren. Dass das anders ist, liegt am Unterschied zwischen Ideologie und Praxis.

Für die Wissenschaftsideologen ist Betrug tabu, ein Skandal, dessen Bedeutung bei jeder Gelegenheit rituell abgestritten werden muss. Für jeden, der die Wissenschaft als menschliches Streben nach Welterklärung sieht, ist Betrug lediglich ein Beweis, dass die Wissenschaft von der Rhetorik genauso beflügelt wird wie von der Vernunft.“

Zitate Seite 23:

„Der amerikanische Physiker Robert MILLIKAN erhielt den Nobelpreis, weil er als erster die elektrische Ladung eines Elektrons gemessen hatte. Doch griff MILLIKAN zu umfangreichen Falschdarstellungen, um seine Versuchsergebnisse überzeugender erscheinen zu lassen, als sie in Wirklichkeit waren.“

Zitat Seite 268:

FALL: Robert Millikan (amerikanischer Physiker und Nobelpreisträger)
ZEIT: 1910 – 1913
* Unterschlug negative Versuchsergebnisse in seinen Aufsätzen und behauptete zugleich, alles mitgeteilt zu haben.
QUELLE: Gerald Holton, „Subelections, Presuppositions, and the Millikan – Ehrenhaft Dispute“, Historical Studies in the Physical Sciences, 9, 166 – 224, 1978

 

Dieses Buch von William Broad und Nicholas Wade wird auch in der Seite von Wikipedia Betrug und Fälschung in der Wissenschaft aufgeführt. Wikipedia liefert dort u.a. eine Analyse über die Ursachen, Motivationen und Auswirkungen von Betrügen und Fälschungen in der Wissenschaft, die zu den Betrügereien und Fälschungen um die Entstehung und Durchsetzung der Relativitätstheorie auch passen könnte:

Zitat Wikipedia:

Ursachen und Motivation

Die Ursachen und Motivation für Betrug und Fälschung in der Wissenschaft werden in der Regel individuell zu suchen sein. Es ist aber nicht auszuschließen, dass ganze Institute, soweit ihre finanzielle Ausstattung davon abhängt, Ergebnisse, die dem Interesse des Auftraggebers konträr laufen, zumindest nicht veröffentlichen. Dies ist ein Grenzfall zu Betrug und Fälschung.

In Betracht kommen dabei häufig Ruhm und Ehre, die Forscher mit der Publikation neuer und sensationeller Erkenntnisse zu gewinnen suchen. Auf der anderen Seite können auch ein Publikationszwang und der Bedarf an Fördermitteln dazu führen, dass Versuchsdaten und Ergebnisse erfunden oder geschönt werden.

Nach der Aufdeckung von Fälschungen steht oft die Frage im Raum, warum die Fehler so lange unentdeckt blieben. Dabei handelt es sich teilweise jedoch nicht einfach um ein blindes Vertrauen in die Wissenschaft und ihre Forschungsergebnisse. Manchmal stehen strukturelle Mängel des Forschungsbetriebs einer Aufdeckung von Missständen im Weg:

  • Universitäten und Forschungseinrichtungen fürchten um ihren Ruf, wenn bekannt wird, dass in ihrem Haus wissenschaftliche Fehler gemacht werden.
  • Fachbereiche und Kollegen fürchten das Ausbleiben von Forschungsgeldern, wenn sie keine positiven Ergebnisse im Sinne der Geldgeber vorweisen können (siehe auch Problematik von Gutachten).
  • Falls es sich bei dem Fälscher um einen Professor oder eine einflussreiche Koryphäe des Fachs handelt, sind Mitarbeiter und Kollegen für die eigene Karriere auf ein gutes Einvernehmen mit dem Fälscher angewiesen.
  • Insbesondere wenn es sich bei einer fälschenden Koryphäe um den Leiter einer auf Jahre angelegten Projektgruppe handelt, würde ein Auffliegen des Schwindels meist auch zum Ende des Projektes und somit zu einer ungewissen Zukunft für die nachgeordneten Projektmitarbeiter führen.

Im Falle des Anthropologie-Professors Reiner Protsch versuchte eine interne Universitätskommission zu ergründen, warum Protschs Umfeld sein Verhalten jahrzehntelang tolerierte. Eine Mischung aus Angst, Ignoranz und falsch verstandener Solidarität, so die Diagnose, habe ein konsequentes Vorgehen von Fachbereich und Hochschulleitung gegen den Professor verhindert. Der Kommissionsbericht kritisiert, „dass die fehlende Sensibilität und Entschiedenheit bei Mitarbeitern, Kollegen, Dekanen sowie bei Hochschulleitung und -verwaltung konsequentes Handeln zu einem früheren Zeitpunkt vereitelt“ habe.[3] Zudem habe man „Ausmaß und Tragweite des Fehlverhaltens von Protsch offensichtlich falsch eingeschätzt und es deshalb nicht konsequent verfolgt.“ Dieses Versagen der Universitätsangehörigen habe dazu geführt, dass Protsch „das Amt eines Universitätsprofessors in hohem Maße missbraucht und sich fachlich wie durch seine Amtsführung hierfür disqualifiziert“ habe.[4]

Nach dem Experimentalphysiker Hans-Joachim Queisser wirken persönliche Kontakte in der Forschung dem wissenschaftlichen Betrug entgegen.[5]

Als U-Boot wird eine absichtlich falsche, frei erfundene Fußnote in wissenschaftlichen Arbeiten bezeichnet. Sie dient dazu, die Aufmerksamkeit des Prüfers zu testen. Unbemerkte U-Boote gelten als Beleg der Fähigkeit, Unsinn so gut wissenschaftlich darzustellen, dass es dem Fachmann nicht auffällt.

Auswirkungen

Die Auswirkungen wissenschaftlicher Fälschungen sind je nach Forschungsbereich unterschiedlich ausgeprägt. Während in den anwendungsnahen Wissenschaftszweigen der Praxistest die Wahrheit sehr bald an den Tag bringt, ist eine Aufdeckung in der Grundlagenforschung eher langfristig oder gar nicht zu erwarten. […]

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Siehe auch in diesem Blog:

Zu Guttenbergs Vorgänger
“zwei wirkliche Kerle”
Whistleblowing in der Wissenschaft
Manipulation der Ergebnisse der Sonnenfinsternis von 1919
Der gigantische Betrug mit Einstein
Die Einstein-Fälschung
Der große Schwindel. Betrug und Fälschung in der Wissenschaft.
Max Planck und der Verrat an der Wissenschaft
Manipulation der Ergebnisse des berühmten Experiments Hafele/Keating
Der Sündenfall. Betrug und Fälschung in der deutschen Wissenschaft
Wurde die Welt betrogen?
Das Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte und Geschichtsfälschung
Die größte Mystifizierung in der ganzen Geschichte der Wissenschaft: Die Relativitätstheorie
Die Wissenschaftsmafia
Nobelpreise – Lohn für die siegreiche Mafia?
Was sagen die Jura-Experten zur rechtlichen Untersuchung von „Lug und Trug in den Wissenschaften“?
Kulturfaktor Recht

Eine Antwort zu “Betrug und Täuschung in der Wissenschaft”

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