Das Zwillingsparadoxon

von Harald Maurer

Artikel aus der Webseite von Harald Maurer:

Das Zwillingsparadoxon

„Manchmal muss man sich schon sehr darüber wundern, was Medien so über die Relativitätstheorie verzapfen. Es ist nicht erstaunlich, dass unzählige Menschen die unglaublichsten Märchen über die Effekte der Speziellen Relativitätstheorie kolportieren und daran glauben – sicherlich fasziniert von den bizarren und paradoxen Aussagen der Theorie – wenn seriöse Sender wie der SWR oder der ARD Unsinn wie den
folgenden von sich geben – gefunden auf http://www.swr.de/wiesoweshalbwarum-/archiv/2005/03/10/beitrag2.html [NB: SWR hat den Artikel zwar gelöscht – den Artikel findet man aber hier als PDF ab Seite 3]:

„Das bekannteste Gedankenspiel Einsteins ist das so genannte Zwillingsparadoxon. Die Story: Ein Zwilling reist mit einem superschnellen Raumschiff ins All, während der andere auf der Erde zurück bleibt. Das Raumschiff rast einige Jahrzehnte fast mit Lichtgeschwindigkeit durchs Universum. Der Zwilling auf der Erde verfolgt das Treiben an Bord und wundert sich: Da oben geht es äußerst gemächlich zu. Sein Bruder und der Rest der Crew bewegen sich in Zeitlupe. Die Zeit fließt langsamer. Ganz anders die Sicht aus dem All: Die Erdlinge wuseln wie im Zeitraffer umher. Wie schnell die Zeit fließt, ist also eine Frage der Perspektive.“

Da findet sich gleich mal als gravierender Fehler die Schilderung einer falschen Perspektive. Denn die Sicht aus dem All würde die Erdlinge keinesfalls wie im Zeitraffer umherwuseln lassen. Ganz im Gegenteil würde der Zwilling aus dem All ganz dasselbe sehen wie der zurückgebliebene Erdling – denn zueinander relativ bewegte Bezugssysteme sind auch in der Speziellen Relativitätstheorie völlig gleichberechtigt.

Ich bin ja ein Fan von Prof. Harald Lesch! Seine Sendungen „Alpha Centauri“ haben nicht nur den Vorteil, dass sie angenehm kurz sind, sie sind auch äußerst unterhaltsam. Wie der sympathische Mann ganz ohne Requisiten, mit wilden Gestikulationen und einfachen Sätzen den Stand der Wissenschaften präsentiert, ist schon bewundernswert – und es stört mich nicht, dass er ausschließlich Mainstream-Physik und Standard-Kosmologie von sich gibt. Ist ja schließlich sein Job. Und ich kann nur hoffen, dass er nicht wirklich das gesagt hat, was ihm der Autor des SWR-Artikels (Hans Jürgen von der Burchard) in den Mund legt:

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Siehe auch vom Autor in diesem Blog:

Das Märchen der GPS-Navigatore als Bestätigung der Relativitätstheorie
Beitrag zum Artikel Das Ehrenfest-Paradoxon widerlegt die Relativitätstheorie

Eine Antwort zu “Das Zwillingsparadoxon”

  1. Bernhard Berger

    Hallo,

    im Grunde ist das Zwillingsparadoxon ganz einfach zu widerlegen. Denn, wer will den Zwillingen verbieten zu der ‚gesehenen’ Uhr-Zeit die ‚Lichtlaufzeit’ des Uhrenabbildes zu addieren?

    Einfaches Beispiel: Der Zwilling im Raumschiff ist 10 Jahre unterwegs. Gestartet ist es im Januar 2100 und der Zwilling schaut im Januar 2110 durch sein Fernrohr und sieht das Datum „Januar 2105“. Da aber der Zwilling auf der Erde kein ‚Vollidiot’ ist weiß er, dass das Raumschiff 2105-2100 = 5 Jahre unterwegs war als das Lichtbild der Uhr das Raumschiff verlassen hat. Der Zwilling korrigiert also die ‚gesehene’ Uhrzeit und addiert 5 Jahre dazu und siehe da, die ‚korrigierte’ Uhrzeit ist mit seiner identisch!

    Wie sollen sich da die Befürworter des Zwillingsparadoxon da noch Rausreden können. Denn die ‚Lichtlaufzeit’ muss doch zu der ‚gesehenen’ Uhrzeit hinzuaddiert werden! Und wenn man das tut, dann sind – oh Wunder – beide Uhren wieder schön synchron!

    PS: Das Beispiel ist ungenau und soll nur das Prinzip darstellen