Mathematische und physikalische Fiktionen in der Einsteinschen Relativitätslehre

von Ludwig Höpfner

Versuch einer Analyse der mathematischen und physikalischen
Fiktionen in der Einsteinschen Relativitätslehre
Ludwig Höpfner

In: Annalen der Philosophie. 2. 1921, H. 3: Zur Relativitätstheorie; S. 466-474
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Das GOM-Projekt referiert stichwortartig in seiner Dokumentation diese Arbeit von Ludwig Höpfner:

Höpfner bewertet als Fiktionen (im Sinne der „Philosophie des Als Ob“) folgende Aussagen Einsteins in der Ur-Kunde 1905:

(1) Vorstellung eines im „ruhenden Raume“ bewegten „zweiten Raumes (bzw. Koordinatensystems), zu welchem nunmehr jener Körper als relativ ruhend gedacht wird.“
(2) Relativitätsprinzip.
(3) Lichtgeschwindigkeit absolut und konstant.
(4) Vorhandensein von Uhren und Beobachtern an allen Punkten, deren Koordinate mit der Zeitkoordinate in rechnerische Beziehung gesetzt werden soll.
(5) Erweiterung der Definition der Gleichzeitigkeit: für Uhren im „ruhenden“ System aufgestellt, soll sie auch unter den veränderten Bedingungen des bewegten Systems gelten.
(6) Einsteins Darstellung vom Passieren des Lichtstrahls längs des bewegten Körpers: an den Enden des Körpers befindliche Uhren zeigen Zeitdifferenz; Einstein behauptet, die Uhren im bewegten System hätten einen anderen Gang; in Wirklichkeit liegen entgegengesetzte Bewegungsrichtungen vor: der bewegte Körper eilt einmal dem Lichtstrahl entgegen und verkürzt die Zeit für das Passieren, das andere Mal bewegt sich der Körper in gleicher Richtung und verlängert das Passieren des Lichtstrahls.

– Die 6 Fiktionen hängen untereinander zusammen. Verweist auf Fiktions-Charakter der Lorentz’schen Längenkontraktion, um seine Theorie anzupassen.

– „Die Einsteinsche Relativitätstheorie als Ganzes läßt sich unter dieser Form als eine einzige größer angelegte Fiktion auffassen, denn sie ist ja nichts anderes als die Verallgemeinerung der Lorentzschen Fiktion …“ (S. 470). Ob diese Fiktionen in der „allgemeinen Physik“ bestehen können, entscheidet die „Experimentalphysik“.  Einige der „Fiktionen“ (im Sinne der „Als-Ob-Phil.“) sind unbegründete und unbewiesene Behauptungen (Nr. 3: C-K; C-M) oder regelrechte Denkfehler (Nr. 6); die grundsätzlich mögliche nützliche Funktion von Fiktionen wird rein rhetorisch auch der Speziellen Relativitätstheorie zugestanden; z.B. C-Konstanz u. C-Maximalität – die Entscheidung aber liegt im Experiment.

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