Über philosophische Fragen der modernen Physik

von Hugh John Gramatzki

Über philosophische Fragen der modernen Physik
Hugh John Gramatzki
In: Deutsche Zeitschrift für Philosophie, 1955 Berlin, S. 242-246.

Das GOM-Projekt referiert stichwortartig in seiner Dokumentation diese Arbeit von Hugh Gramatzki:

Archimedisches Axiom. „Und nun zum Kreiselproblem: Die Zumutung, die Rotation des Fixsternhimmels um den Kreisel als äquivalente Ursache der Zentrifugalbeschleunigung zu
akzeptieren, führt zu einem, meines Wissens, bis jetzt noch nicht aufgewiesenen Dilemma. Die Zentrifugalbeschleunigung tritt bekanntlich gleichzeitig mit der Rotation des Kreisels auf. Das rotierende Fixsternsystem als äquivalente Ursache müßte also seine Wirkung als „Feld“ mit unendlicher Ausbreitungs-geschwindigkeit ausüben, womit auch kaum ein Relativist einverstanden sein dürfte“ (S. 244).

– Entwickelt folgendes „Gedankenexperiment“ mit einer großen rotierenden Scheibe im dunklen Weltraum ohne jegliche optische Marken: ein experimentierender Physiker auf der Scheibe mißt mit einer Federwaage und einer kleinen Masse die nach außen gerichtete Zentrifugalbeschleunigung. Daraus erkennt er das Rotieren der Scheibe, obwohl er es optisch nicht feststellen kann. Er kann sogar die Umdrehungszahl der Scheibe pro Stunde berechnen. In einem zweiten Stadium des Experiments wird die Scheibe geteilt, in eine innere Fläche als Scheibe und eine äußere als Ring (Modell: Saturnring). Auf der inneren Scheibe wird ein zweiter Physiker dieselben Messungen anstellen und zu demselben Resultat kommen wie der erste, sogar auch dann, wenn sich die innere Scheibe in entgegengesetzter Richtung dreht, weil die Zentrifugalbeschleunigung von der Drehrichtung völlig unabhängig ist. „Jetzt lassen wir in diesem, zweiten Falle eine optische Marke auf dem Saturnring aufleuchten. Würde der zweite Physiker seine Umdrehungsgeschwindigkeit nach dieser optischen Marke beurteilen, so müßten ihm alle seine Messungen als falsch erscheinen, sie müßten nämlich viermal größere Werte ergeben. Genauso würde es dem Physiker auf dem äußeren Ring ergehen. Und nun die ketzerische Schlußfolgerung: Die optisch beobachtbare Winkelgeschwindigkeit ist eine vieldeutige Begleiterscheinung der Rotation. Es gibt physikalisch weder eine absolute noch eine relative Rotation physikalisch betrachtet, nicht kinematisch), sondern nur ein reales Beschleunigungsfeld“ (S. 246).

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