Die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen

von Thomas S. Kuhn

Die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen
Thomas S. Kuhn

Suhrkamp Verlag; 22. Auflage (20. Februar 2001)

Amazon:
Mit Die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen forderte Thomas Samuel Kuhn die Philosophie heraus, ihre Theorie einer allgemein verbindlichen, überzeitlichen Metho-dologie der Naturwissenschaften so zu revidieren, dass auch Umbrüche in der Wissenschaftshistorie und der – meist nicht kampflos vollzogene – Wechsel von
Grundüberzeugungen innerhalb einer Wissenschaft zu erklären sind. Kuhn selbst bediente sich bei dieser Erklärung historischer und geistesgeschichtlicher Studien sowie soziologischer und psychologischer Erkenntnisse.

Inhalt: Anhand bedeutender Stationen der Geschichte der Physik – von der aristotelischen Naturtheorie über Nikolaus Kopernikus (1473 bis 1543), Galileo R Galilei und Johannes R Kepler bis zur klassischen newtonschen Physik und der Relativitätstheorie von Albert R Einstein – entwickelt Kuhn seinen zentralen Begriff des Paradigmas. Damit bezeichnet er die Auffassungen, die eine Wissenschaft in einer bestimmten Periode prägen.

Kuhn unterscheidet zwischen normalwissenschaftlichen Perioden, in denen Forscher einem Paradigma verpflichtet und bestrebt sind, innerhalb dieses vorgegebenen Rahmens Probleme zu lösen, und außerordentlicher Forschung, durch die ein neues Paradigma geschaffen wird. Nach Kuhn geschieht dies in Krisen, in denen unerklärbare Phänomene (Anomalien) auftreten, was zu einer Verunsicherung der Forschergemeinschaft führt. Ein neues Paradigma setzt sich nicht per rationaler Überzeugung, sondern per Überredung und Propaganda durch. Die Vorstellung des wissenschaftlichen Fortschritts im Sinne einer schrittweisen Annäherung an die Wahrheit ist laut Kuhn nicht haltbar.

Wirkung: Kuhns Buch rief eine heftige Kontroverse hervor. Der Hauptvorwurf gegen den Autor lautete, nach seiner Auffassung würden die Naturwissenschaften irrational vorgehen. In normalen Phasen nähmen sie Gegenbeispiele gegen das herrschende Paradigma nicht zur Kenntnis und die Verdrängung eines Paradigmas durch ein anderes laufe nicht nach Prinzipien ab, die der Vernunft gehorchten. In Interpretation und Fortentwicklung der Thesen von Kuhn wurde hingegen u. a. klargestellt, dass der Anwendungsbereich eines Paradigmas prinzipiell vage und dieses gegen eine empirische Widerlegung notwendigerweise immun sei. Welche Wirkung Kuhn entfaltete, zeigt sich daran, dass seine Begriffe »Paradigma« und »Forschergemeinschaft« in den allgemeinen Sprachgebrauch eingegangen sind. B. Be.

Kurzbeschreibung

Kuhns Thema ist der Prozeß, in dem wissenschaftliche Erkenntnisse erzielt werden. Fortschritt in der Wissenschaft – das ist seine These – vollzieht sich nicht durch kontinuierliche Veränderung, sondern durch revolutionäre Prozesse. Dabei beschreibt der Begriff der wissenschaftlichen Revolution den Vorgang, bei dem bestehende Erklärungsmodelle, an denen und mit denen die wissenschaftliche Welt bis dahin gearbeitet hat, abgelöst und durch andere ersetzt werden: es findet ein Paradigmenwechsel statt.

Wissenschaftliche Artikel zu Die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.