Relativitätstheorie und Philosophie

von Hans Driesch

Relativitätstheorie und Philosophie
Hans Driesch
Verlag Braun, Karlsruhe, 1924
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Das GOM-Projekt referiert stichwortartig in seiner Dokumentation diese Arbeit von Hans Driesch:

– Driesch untersucht die Theorie auf ihre „philosophische Zulässigkeit“; unterstellt hierzu,
daß (1.)  alle zugrundeliegenden physikalischen Beobachtungen als völlig gesichert gelten und (2.) alle mathematischen Ableitungen fehlerfrei sind. Beschränkt sich auf die Frage: „Darf das, was empirisch vorliegt, natur-logisch so gedeutet werden, wie Einstein selbst und seine Nachfolger es auf Grund ihrer mathematischen Formulierungen deuten, oder ist es logisch vielleicht nicht zulässig von „vielen Zeiten“, von dem „ nicht-euklidischen“ Wesen des Naturraumes und von manchem anderen zu reden, so wie die Relativitätstheoretiker es tun?“ (S. 2).

– Unterscheidet zwischen „praktisch nachweisbar“ und „eindeutig denkbar“: wenn z.B. absolute Bewegung praktisch nicht nachweisbar sein soll, so ist sie doch eindeutig denkbar, und man kann sogar sagen, daß von zwei relativ zueinander bewegten Körpern „sich mit Sicherheit mindestens einer derselben „absolutbewegt“ (S. 3-4).

– Der Michelson-Morley-Versuch hat ergeben, daß auf der Erdoberfläche Licht aus einer dortigen Lichtquelle sich in alle Richtungen gleich schnell ausbreitet: über diesen Befund jedoch hinausgehend behauptet die Theorie, Licht aus einer beliebigen Lichtquelle (also auch einer außerhalb der Erde befindlichen) pflanze sich auf der Erde in allen Richtungen gleichmäßig fort. „Diese Erweiterung des Prinzips hat keine neue experimentelle Stütze, ja kann gar keine solche Stütze haben; sie ist aber dem Ergebnis des Michelson’schen Versuchs gegenüber etwas ganz Neues, und ist keine bloße „Erweiterung“ desselben“ (S. 11).

– Zu Längenkontraktion, Zeitdilatation und C-Konstanz: „Man ‘postuliert’ nun, postuliert sogar ganz Unerhörtes, nämlich daß Sekunde und Meter kontrahiert sei (und nicht nur vom fremden System aus scheine); und man postuliert, bloß um die mathematische Einfachheit der Formulierung zu retten. Man vergißt dabei, obwohl man so stolz darauf ist, nur Feststellbares als existierend zuzulassen, daß ein „ Feststellen“ hier ganz grundsätzlich gar nicht in Frage kommt! Noch nie hat man auf einem fiktiven „Weltraum“-System c immer gleich „gefunden“ weil nämlich Licht immer nur auf dem System „Erde“ überhaupt untersuchbar ist, mag es stammen, woher es will. Gerade auf diesen Punkt kommt kein Relativist zu sprechen“ (S. 22).

– „ Einstein lehrt, daß es „ gleichzeitig“ viele verschiedene Zeiteinheiten (Sekunden) gäbe, daß es also „viele Zeiten“ gäbe, indem jedes bewegte System seine eigene Zeiteinheit und damit „seine Zeit“„ besitzt. Das ist nun … ganz und gar unmöglich“ (S. 24): Zeit ist nach ihrem Wesen ein einziges Gefüge von Beziehungen, in dem alle Natur und alles Geschehen eine Stelle hat. Viele Zeiten und Zeiteinheiten als seiend zu denken ist absurd (S. 25).

– Die nach Minkowski angeblich gleichwertigen Parameter Raum- und Zeitkoordinaten sind unmöglich gleichwertig: „nebeneinander ist nie und nimmer nacheinander“ (S. 26).

– Die Einführung der nicht-euklidischen Geometrien in die Allgemeine Relativitätstheorie soll den „gekrümmten Raum“ begründen und damit die Gravitation erklären: „Aber von einer „Krümmung“ des Raumes zu reden ist … ein vollkommenes Unding, weil „vierte“ Dimension, deren anschauliches Erfassen hier die notwendige Voraussetzung sein würde, phänomenologisch nicht existiert“ (S. 34). Unser Erfahrungsraum besitzt nur drei Dimensionen. Die nichteuklidischen Geometrien sind nur als logische Konstruktionen zur Prüfung des Parallelenaxioms entwickelt worden und sind „nicht durch geometrische Daten erfüllt“ (S.36). „Für den Naturraum [gilt] die euklidische Geometrie mit absoluter Wesensevidenz“ (S. 45).

– Irrig ist die verbreitete Beweis-Vorstellung, durch eine im Experiment bestätigte Folge der Theorie werde die Theorie bewiesen: damit wird jedoch nur gezeigt, „daß die Theorie rein formal-logisch nicht unmöglich ist“ (S.48). Daher wird Einsteins Allgemeine Relativitätstheorie auch durch die Sonnenfinsternis-Beobachtungen „auch nicht irgendwie gestützt, geschweige denn „bewiesen“, weil eine phänomenologisch unmögliche Theorie überhaupt durch nichts „gestützt“ werden kann“ (S. 49).

– „Des gesunden Menschen Verstand … ist das Prinzip der Ordnung in jedem Sinne“ (S. 50): „diese Theorien [sind] wirklich „gegen des gesunden Menschen Verstand“ – im tiefsten Sinne dieses Wortes“ (S. 50).

– Betont bei aller Kritik der Theorie seine Anerkennung und Sympathie: „Ich fühle mich Einstein menschlich und auch ethischpolitisch sogar ganz nahe verwandt, und daß in seiner Lehre Bedeutsames enthalten ist, wird ja auch in dieser Schrift ganz und gar nicht geleugnet“ (S. 24). Von der Speziellen Relativitätstheorie bleibt „nur der an und für sich gewiß bedeutsame Nachweis gewisser praktischer Unbestimmbarkeiten übrig“ (S. 23).

– Relativisten pflegen ihre Kritiker entweder als Antisemiten oder als Dummköpfe hinzustellen: was darf Hans Driesch sich aussuchen?

 

1931 – Meine Haupteinwände gegen die Relativitätstheoretiker – Hans Driesch
In: Hundert Autoren gegen Einstein. Hrsg.: H. Israel. 1931. S. 7-8.

Trägt 8 Kritikpunkte vor: Naturauffassung unklar; Verbindlichkeit von Aussagen fehlt; Geometrie anschaulich nicht erfüllt; Zeit grundsätzlich von Raum verschieden; gleichzeitige Existenz verschiedener Zeiten ein Widerspruch; rein relative Bewegung soll angeblich absolute Effekte haben; Gleichzeitigkeit existiert auch bei Messungsproblemen; Theorie hat keine weltanschauliche Bedeutung. Zitiert zwei eigene Arbeiten.

 

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