Bemerkungen zu einem Vortrag von Erwin Freundlich

von L.C. Glaser

Das GOM-Projekt referiert stichwortartig in seiner Dokumentation diese Arbeit von L.C. Glaser:

1920 – Bemerkungen zum Vortrag von Freundlich am 1. März 1920: „Die Entwicklung des physikalischen Weltbildes bis zur allgemeinen Relativitätstheorie“ – Mitteilung der Schriftleitung
In: Verein zur Beförderung des Gewerbefleißes. Sitzungsberichte. 1920, S. 105-106.

Nachträglicher Abdruck als „Mitteilung der Schriftleitung“ von einem Teil eines kritischen
Diskussionsbeitrags, der im Anschluß an den Vortragstext abgedruckt werden sollte, aber von Freundlich unterdrückt worden war; vgl. Anmerkungen zu Glaser 1920 (Diskussionsbemerkungen zu Vortrag von Freundlich).

Freundlich hatte auf die Veröffentlichungen der Bonner Physiker Grebe und Bachem hingewiesen, in denen die amerikanischen Feststellungen der Nichtbeobachtung der Rotverschiebung im Sonnenspektrum als zweifelhaft gemacht und „der Existenz des Einsteineffektes ein hohes Maß an Wahrscheinlichkeit“ zugesprochen wurde.

– Glaser verweist dagegen auf die mit hohem Aufwand ausgeführten Messungen von St. John, die in den Veröffentlichungen von Grebe und Bachem nicht beachtet worden sind, sowie auf eine Arbeit von Wiechert und eine Stellungnahme von Sommerfeld, der ebenfalls die amerikanischen Beobachtungen als Widerlegung der behaupteten Rotverschiebung ansieht; zitiert ferner eine Arbeit von Einstein, in der er sagt, es sei „schwer zu konstatieren, ob der hier abgeleitete Einfluß des Gravitationspotentials wirklich existiert.“ Gibt die genauen Zitate der Arbeiten von Lenard, Schwarzschild, Evershed und St. John, die er in der Diskussion am 1. März genannt hatte.

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1920 – [Diskussionsbemerkungen zum Vortrag von Freundlich]: [Vortrag und Diskussion am 1. März 1920 im Verein zur Beförderung des Gewerbefleißes]
In: Verein zur Beförderung des Gewerbefleißes. Sitzungsberichte. 1920, S. 58.
Titel von Freundlichs Vortrag: Die Entwicklung des physikalischen Weltbildes bis zur allgemeinen Relativitätstheorie.

Verweist auf Lenards Kritik der Theorie und auf drei negative experimentelle Befunde von Schwarzschild, Evershed und St. John zur von Einstein behaupteten Rotverschiebung der Spektrallinien im Sonnenspektrum.

– Über eine unbefugte Kürzung des kritischen Beitrags von Glaser durch Freundlich berichtet Gehrcke 1924 (Massensuggestion), S. 8-9: Zum Vortrag von Freundlich am 1.3.1920 hatte Glaser in der anschließenden Diskussion Kritik der Theorie vorgetragen. Diese kritischen Bemerkungen Glasers, die er durch Angabe von Nachweisen  kritischer Literatur ergänzt hatte, waren zum Druck aufgenommen worden. In Abwesenheit des Schriftleiters der Zeitschrift hat Freundlich die kritischen Bemerkungen Glasers ohne dessen Wissen gestrichen. Nach Rückkehr des Schriftleiters erfolgte der Abdruck drei Hefte später, wobei auch der Vorgang berichtet wurde.

– Gehrckes Darstellung muß etwas berichtigt werden:

(1) Freundlich hat nicht sämtliche Äußerungen von Glaser unterdrückt, sondern von dessen kritischer Stellungnahme immerhin eine ganze Seite Text abgedruckt.

(2) Anläßlich des später (S. 105-106) erfolgten Abdrucks des unterdrückten Textes von Glaser bezeichnet die Schriftleitung den Text neutral als eingesandte Bemerkungen; nur Glaser selbst spricht von „leider nicht abgedrucktem“ Text. Über die Ursache des verspäteten Abdrucks wird also der Leser nicht aufgeklärt: er soll ihn für ein Versehen halten, bemerkt aber den Widerspruch zwischen der Präsentation durch die Schriftleitung und Glasers Bemerkung. Gehrcke, S. 9: „Die wenigsten Leser des Vortrags werden den Nachtrag bemerkt haben. Solche Vorkommnisse zeigen deutlich: die Relativitätstheorie ist Parteisache geworden.“

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