Physik und Philosophie

von Werner Heisenberg

Physik und Philosophie
Werner Heisenberg

Erstveröffentlichung in englischer Sprache: 1958
[Gifford-Vorlesungen, WS 1955/56. Univ. St. Andrews, Schottland] mit einem Beitrag
„Einführung in die Probleme der Naturphilosophie“ von F. S. C. Northrop
Erste deutschsprachige Ausgabe: 1959 – Amazon

Das GOM-Projekt referiert stichwortartig in seiner Dokumentation diese Arbeit von
Werner Heisenberg (Werner Heisenberg. Originalausg. 83.-86. Tsd. – Verlag Ullstein 1981, Frankfurt a. Main):

S. 87-104: Kap. 7: Die Relativitätstheorie.

– Trägt im Rahmen einer grundsätzlichen Akzeptanz der beiden Relativitätstheorie  mehrere Kritikpunkte vor. Bewertet beide Theorien unterschiedlich: die Spezielle Relativitätstheorie „gehört also zu den festen gesicherten Grundlagen der modernen Physik und kann in unserer gegenwärtigen Lage nicht bestritten werden.  Bei der allgemeinen Realtivitätsheorie sind dagegen die experimentellen Beweise sehr viel weniger überzeugend, da das experimentelle Material im ganzen sehr beschränkt ist. Es gibt nur einige wenige astronomische Beobachtungen … Daher ist diese zweite Theorie sehr viel hypothetischer als die erste“ (S. 98).

– Erörtert als Kritikpunkte der Speziellen Relativitätstheorie:

(1) Bezeichnet die Masse-Energie-Beziehung als gesicherte Erkenntnis, bezeichnet jedoch die übliche Interpretation der Atomexplosion als Mißverständnis: „Es ist gelegentlich behauptet worden, daß die enormen Energiemengen bei den Atomexplosionen unmittelbar durch eine Verwandlung von Masse in Energie entstehen und daß man nur auf Grund der Relativitätstheorie diese riesigen Energiemengen vorhersagen konnte. Diese Ansicht beruht aber auf einem Mißverständnis. Die großen Energiemengen, die in den Atomkernen aufgespeichert sind, waren seit den Experimenten von Becquerel, Curie und Rutherford über den radioaktiven Zerfall bekannt. […] Die Energie bei der Spaltung des Urankerns hat den gleichen Ursprung wie die beim [alpha]-Zerfall eines Radiumkerns, nämlich in der Hauptsache die elektrostatische Abstoßung der zwei Teile, in die der Atomkern gespalten wird. Die Energie, die bei einer Atomexplosion frei wird, stammt also direkt aus dieser Quelle und ist nicht durch eine Verwandlung von Masse in Energie hervorgebracht“ (S. 95-96).-

(2) Die Äther-Hypothese wurde durch die Spezielle Relativitätstheorie beseitigt: „Dieser Sachverhalt wird manchmal auch durch die Feststellung ausgedrückt, daß der absolute Raum durch die Relativitätstheorie beseitigt worden sei. Aber eine solche Behauptung muß mit einigen Vorbehalten versehen werden“ (S. 97). Die vorher dem Äther zugeschriebenen Eigenschaften muß man jetzt dem Raum zuschreiben: es wäre falsch, „zu behaupten, daß der Raum jetzt alle physikalischen Eigenschaften verloren hätte. […] Wenn man sich zunächst auf die Relativitätstheorie von 1905 und 1906 beschränkt, so beweist die Existenz von Zentrifugalkräften in einem rotierenden Bezugssystem, daß es physikalische Eigenschaften des Raumes gibt, die eine Unterscheidung zwischen einem rotierenden und einem nichtrotierenden System erlauben“ (S. 97).

– Behandelt noch 1971 (!) auch folgende Aspekte der Allgemeinen Relativitätstheorie kritischer als die orthodoxen Relativisten:

(1) Rotverschiebung der Spektrallinien: „Es gibt bisher noch keinen einwandfreien experimentellen Beweis für die Existenz dieser Rotverschiebung, wie die Diskussion der bisherigen Versuche durch Freundlich sehr klar gezeigt hat. Aber es wäre auch voreilig, zu schließen, daß die Versuche die Voraussagen der Einsteinschen Theorie widerlegt hätten“ (S. 99);

(2) zur gravitativen Lichtablenkung: „Aber ob die Ablenkung genau mit dem Wert übereinstimmt, den die Einsteinsche Theorie vorhergesagt hat, läßt sich noch nicht entscheiden“ (S. 100).

Eine Antwort zu “Physik und Philosophie”

  1. Peter Rösch

    Ferdinand Lindemann in München hat nach dem Ersten Weltkrieg den Studienanfänger Heisenberg über die wahren Hintergründe und die Urheberschaft des 1905 veröffentlichten Relativitätstheorie-Artikels aufgeklärt. Das war der Startschuß für die einzigartig steile Karriere des nunmehrigen Mitwissers Heisenberg, der dann nach seinem ersten Geplapper darüber von dem mit Lindemann verfeindeten Ex-Schüler Sommerfeld in Beschlag genommen worden ist. Heisenberg brauchte dann im Studium keine einzige Prüfung mehr regulär zu bestehen.
    Die skurrile Offenbarungs-Szene wird von Heisenberg in „Der Teil und das Ganze“ beschrieben. Heisenberg lügt sich einen kleinen Hund – offenbar ein Pudel – hinzu, der während der Audienz, bei der es ausdrücklich um die Relativitätstheorie ging, angeblich so laut gebellt habe, daß die Aussagen Lindemanns nicht mehr haben verstanden werden können: Es geht in Heisenbergs Schilderung um nichts anderes als um eine Metaphorik für Einstein (siehe Fotos um 1905: Pudelfrisur!) und „des Pudels Kern“, nämlich „Mephisto“ Ferdinand Lindemann, der hinter Einstein und der Relativitätstheorie steckt.