Was vom Einsteinjahr bleibt

von Berndt-Rainer Martens

Was vom Einsteinjahr bleibt
Berndt-Rainer Martens

Auszüge aus einem Beitrag im Buch Die Relativitätstheorie fällt, 2005, Seiten 433 – 436:

„Die spezielle Relativitätstheorie Albert Einsteins beruht im Wesentlichen auf den Annahmen, daß alle in gleichförmig gegeneinander bewegten Laborsystemen durch-geführten physikalischen Experimente zu gleichen Ergebnissen führen. Die gegenseitige Beobachtung der Experimente erfolgt dabei durch elektromagnetische „Radarwellen“,
deren von der Geschwindigkeit der Laborsysteme unabhängige Ausbreitungs-geschwindigkeit die Lichtgeschwindigkeit ist. Die Unabhängigkeit der Lichtge-schwindigkeit von der Geschwindigkeit von Laborsystemen wurde durch von Michelson und Morley durchgeführte Messungen nahegelegt, die bei ihren Versuuchen keinen Einfluß der Erdbewegung auf die Lichtgeschwindigkeit feststellen konnten. Dieses Versuchsergebnis wurde vom holländischen Physiker Hendrik Antoon Lorentz damit erklärt, daß sich die Länge bewegter Körper und damit auch die von Michelson verwendete Versuchsanordnung in Bewegungsrichtung verkürzen würde (sog. „Lorentzkontraktion“).

Die von Lorentz für die bewegte Erde bzw. für derartige Laborsysteme aufgestellten Transformationsgleichungen (sog. „Lorentztransformation“) führen auch zu dem Ergebnis, daß die Zeit bei hohen Laborgeschwindigkeiten gedehnt wird (sog. „Zeitdilatation“), so daß in den gegeneinander bewegten Laborsystemen durchgeführte Experimente zum gleichen Ergebnis führen. Allerdings wurde diese Zeitdilatation von Lorentz nicht behauptet oder weiter aufgegriffen.

Bis heute sind weder zwingende theoretische Gründe noch irgendein experimenteller Nachweis bekannt, daß der bei hohen Geschwindigkeiten zur Deutung der Ergebnisse des Michelson-Morley-Versuchs behauptete Effekt der Längenkontraktion und der von Einstein zusätzlich behauptete Effekt der Zeitdilatation tatsächlich auftreten. Das Ergebnis des Michelson-Morley-Versuchs ist nach Wesley durch den Voigt-Doppler-Effekt erklärbar [1]. Insbesondere ist das von Einstein behauptete und Laien häufig beeindruckende „Zwillingsparadoxon“ Unfug, bei dem der von einer mit annähernd Lichtgeschwindigkeit durchgeführten Weltreise zurückkehrende junggebliebene Reisende seinen auf der Erde verbliebenen, altgewordenen Zwillingsbruder wiedertrifft. Die spezielle Relativitätstheorie gilt wie erwähnt lediglich für Inertialsysteme, die mit konstanter Geschwindigkeit einen leeren Raum durchqueren. Sie kann auf die bei Start, Umkehr und Landung dieses Weltreisenden notwendigen Phasen extremer Beschleunigung nicht angewendet werden.

Die Gleichung E – m c2, mit der die Äquivalenz von Energie und Masse behauptet wird, und die von Einstein in einer Fußnote einer 1906 veröffentlichten Arbeit „als Ergebnis weiteren Nachdenkens“ (seines eigenen?) angegeben wurde, wurde bereits früher von mehreren, von Einstein nicht zitierten Wissenschaftlern abgeleitet (teilweise mit geringfügig von 1 abweichenden Vorfaktoren, was die Schwierigkeit derartiger Rechnungen zeigt, hier aber keine wesentliche Bedeutung hat). […]

Wie ist der aus heutiger Sicht kaum noch verständliche Erfolg der speziellen Relativitätstheorie erklärbar? Das Problem der Verfälschung wissenschaftlicher Erkenntnisse bzw. der Umformulierung von Erkenntnissen, die andere bereits früher hatten und die dann umformuliert als Ergebnis eigener Forschungstätigkeit ausgegeben werden, liegt offenbar viel tiefer. So hat Isaac Newton seine klassische Theorie der Gravitation durch Umformulierung der Keplerschen Gesetze der Planetenbewegung gewonnen. Sein Versuch, auch die von Gottfried Wilhelm Leibniz erfundene Differential- und Integralrechnung unter dem Titel „Fluxionsrechnung“ als seine Erfindung auszugeben, muß als gescheitert angesehen werden, obgleich in den Lexika noch meist eine parallele Erfindung durch Newton behauptet wird. Ein ähnlicher Vorgang ist etwa 150 Jahre später zu beobachten, als die von anderen entwickelte Theorie des Elektromagnetismus von Maxwell zu den oben erwähnten Gleichungen zusammengefaßt wird. […]

Eine ernüchternde Schlußfolgerung aus den geschilderten Vorgängen ist, daß offensichtlich auch im Bereich der vermeintlich reinen Wissenschaft im Hintergrund machtvolle Interessengruppen agieren, die bestimmte Lehrmeinungen fördern und andere unterdrücken. Danach liegt der Verdacht nahe, daß die von britischer Seite nach dem ersten Weltkrieg massiv einsetzende Propagierung der Einsteinschen Relativitätstheorien auch darin begründet ist, daß diese Theorie die Allgemeingültigkeit der Lorentztransformation behauptet und daß damit auch die fundamentale Bedeutung der Maxwellschen Gleichungen, die aus nicht weiter bekannten Gründen gegenüber dieser Transformation invariant sind, gestützt wird.

Was bleibt von Einstein im sogenannten „Einsteinjahr 2005“? Eine erste Begründung des Photoeffekts, mit der die von Max Planck entwickelte Hypothese der Quantelung des Lichts gestützt wurde, und für die Einstein 1919 den Nobelpreis erhalten hat. Ansonsten die Verwirrung mehrerer Generationen von Physikern, denen die von Einstein übernommene Behauptung der Längenkontraktion und die von ihm selbst erfundene Behauptung der Zeitdilatation als gesichertes Wissen vermittelt wurde. Ist das ein „Einsteinjahr“ wert?“

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