Lexikonverlag Brockhaus: Es gibt nur antisemitische und unseriöse Kritiker der Relativitätstheorie

von Jocelyne Lopez           

Einem Lehrer, der Informationen über die Kritik der Relativitätstheorie zur Unterrichts-gestaltung anforderte, wurde 1994 folgende Auskunft vom Lexikonverlag Brockhaus erteilt:   

Zitat Lexikonverlag Brockhaus:
[…]
2. Die Relativitätstheorie fand in der wissenschaftlichen Welt allgemein eine sehr rasche Anerkennung. Kritik wurde von einzelnen aus eher welt­anschaulichen Gründen angebracht.

Während die Einwände Ernst Gehrkes naturphilosophischer und erkenntnis­theoretischer Art waren, ging die physikalisch unhaltbare Kritik aus der sogenannten “deutschen Physik” im Dritten Reich auf den nationalsozia­listischen Rassismus und Antisemitismus zurück. Prominenteste Vertreter waren die Nobelpreisträger Philipp Lenard und Johannes Stark. Sie be­gannen sich nach Ende des Ersten Weltkriegs nationalistischen und anti­semitischen Positionen zuzuwenden und zählten schließlich zu den führen­den Köpfen der nationalsozialistischen Propaganda, die auf die Ausgren­zung und Abwertung einer angeblich “jüdischen Wissenschaft” zielte. Dabei stuften sie die Relativitätstheorie Einsteins als abstraktes mathematisches Konstrukt ohne Wirklichkeitsbezug ein, das mit seiner Unanschaulichkeit dem “jüdischen Denken” entspringe und einem “ger­manisch-deutschen Naturbild” zuwiderlaufe.   

Lenard stellte der Einsteinschen Theorie eine komplizierte Weiterent­wicklung der Äthertheorie mit mehreren gegeneinander bewegten Ätherarten entgegen. Aber weder waren die Argumente gegen die Relativitätstheorie physikalisch in irgendeiner Weise stichhaltig, noch wurde die wenig überzeugende Äthertheorie Lenards von nicht-nationalsozialistischen Wissenschaftlern ernst genommen. Eigentlicher Ursprung der Angriffe war nur die nationalsozialistische Ideologie. Einzelheiten entnehmen Sie bitte den beiliegenden Biographien, die Ihnen auch weiterführende Literaturangaben bieten.

3. Die Relativitätstheorie ist heute fest in der Physik etabliert und wird von seriösen Wissenschaftlern nicht angezweifelt. Zahlreiche und immer genauer durchgeführte Experimente bestätigen sie in ausgezeich­neter Weise. Nicht zuletzt fußen auf der speziellen Relativitätstheorie auch erfolgreiche quantenphysikalische Theorien wie die Quantenelektro­dynamik, die selbst wieder sehr genau mit Experimenten übereinstimmt. Versuche einzelner heutiger Autoren, die Relativitätstheorie zu “wider­legen“, sind meist philosophisch-weltanschaulich motiviert und bleiben physikalisch oberflächlich oder in Widersprüchen hängen. Davon zu unter­scheiden sind die ernsthaften wissenschaftlichen Bemühungen, die allge­meine Relativitätstheorie quantenphysikalisch zu verallgemeinern – so wie die Relativitätstheorie ihrerseits die Newtonsche Mechanik verallge­meinert hat – und eine Theorie der Quantengravitation” zu entwickeln. Als ein wichtiger Vertreter dieses Zweiges der theoretischen Physik sei nur der, auch durch die Medien bekannte, britische Physiker Stephen Hawking genannt.
[…] Zitatende 

Die Schüler und Studenten dürfen also lernen, dass Autoren nur aus antisemitischer Motivation die Spezielle Relativitätstheorie kritisiert haben, und dass es bis heute noch „keine seriösen Wissenschaftler [gib]t, die diese Theorie anzweifeln“. Die Gegenbeweise sind in dieser Webseite „Kritische Stimmen zur Relativitätstheorie“ nachzulesen. Wenn das nicht Betrug der Öffentlichkeit und Irreführung von Generationen von Schülern und Studenten ist, was ist das denn? Wenn es nicht Geschichtsfälschung und Verleumdung ist, was ist das denn? 

Vor diesem Hintergrund erinnere daran, dass erstmalig in der Geschichte der Relativitätstheorie eine Bundes-ministerin für Bildung und Forschung, Frau Dr. Annette Schavan, am 14.08.2006 per E-Mail auf eine Anfrage von mir im Rahmen des GOM-Projekts bestätigt hat, dass sie Kenntnis von einer umfangreichen und unterdrückten Kritik der Relativitätstheorie in einer Zeitspanne von 95 Jahren genommen hat:   

Subject: Forschungsgruppe G. O. Müller; Kritik an der Relativitätstheorie 

Sehr geehrte Frau Lopez, 

sie haben unter dem 31. Juli der Bundesministerin für Bildung und Forschung, Frau Dr. Annette Schavan, Mitglied des Deutschen Bundestages, unter der Überschrift “Freiheit der Wissenschaft nach Artikel 5 des Grundgesetzes” eine E-Mail zugesandt. Frau Bundesministerin Dr. Schavan lässt Ihnen danken und hat das Schreiben dem Referat “Naturwissenschaftliche Grundlagenforschung” im BMBF zur Beantwortung übergeben.

Es soll zuallererst darauf hingewiesen werden, dass das Bundesministerium für Bildung und Forschung aus grundsätzlichen Erwägungen keine Stellungnahme zu wissenschaftlichen Thesen und Theorien abgibt. Ergebnisse der wissenschaftlichen Forschung sind unter den Experten in der Wissenschaft selbst zu diskutieren. Hierzu gehört auch die von der Forschungsgruppe G. O. Müller vorgebrachte Kritik an der Speziellen Relativitätstheorie von A. Einstein aus dem Jahre 1905. 

Des Weiteren ist festzustellen, dass die Ergebnisse der Forschungsgruppe G. O. Müller veröffentlicht wurden, zum einen in gedruckter Buchform und zum anderen im Internet. Die Forschungsergebnisse sind damit öffentlich breit zugänglich. Ihr Vorwurf, die Forschungsgruppe könne ihre Meinung nicht öffentlich äußern, ist daher unrichtig und eine Verletzung der Grundrechte in Bezug auf freie Meinungsäußerung kann nicht festgestellt werden.   

Mit freundlichen Grüßen
Im Auftrag Jürgen Richter
Prof. Dr. Juergen Richter
Bundesministerium fuer Bildung und Forschung, Referat 711, 53175 Bonn    

Die Frau Bundesministerin für Bildung und Forschung hat zu verantworten, dass die  im öffentlichen Bildungssystem offiziell zugelassenen  Unterrichtsquellen Irreführung der Schüler und Studenten betreiben. Sie hat zu verantworten, dass Tausende von kritischen Autoren gegenüber den Studierenden disqualifiziert, zensiert und verleumdet werden. Sie hat zu verantworten, dass die Kritik einer Theorie aus dem öffentlichen Unterricht aufgrund von Geschichtsfälschung und von Verleumdungen völlig ausgeblendet wird. Sie hat zu verantworten, dass die fachliche Kritik einer Theorie im Unterricht nicht vermittelt und behandelt wird und nur im Internet durch private Initiativen zur Verfügung der Schüler und Studenten steht.  Sie hat zu verantworten, dass sie die Gebote der Nicht-Identifikation mit einer Theorie und der meinungsneutralen Wissenschaftspflege, die ihr per Grundgesetz Art. 5 § 3 vorgeschrieben werden, im öffentlichen Bildungssystem missachtet werden. Sie hat gravierende Verstöße gegen das Grundgesetz zu verantworten.          

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Siehe auch in diesem Blog:           

Staatliche Entscheidungsträger vernachlässigen Verfassungsgebot
Experiment: Das Gehalt schleppen sie weg, die Verantwortung lassen sie liegen
Milena Wazeck und “der bräunliche Sumpf der Physik
Das Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte und Geschichtsfälschung
Bundesministerium löscht Kritik auf der “Einsteinjahr”-Webseite
Weitere 100 Jahre Betrug der Öffentlichkeit mit der Relativitätstheorie?
Der verleumderische Antisemitismus-Vorwurf zur Abwehr von Kritik
Verleumdung als Antisemiten, Nazis, Stalinisten oder Anti-Kommunisten
Hemmungslose Propaganda für eine haltlose Theorie
Mißbrauch der Pädagogik zur Indoktrinierung und Gehirnwäsche
Verschweigen und Verleugnen der Kritik
Vertreibung aller Kritiker aus der akademischen Lehre und Forschung
Ausgrenzung der Kritik durch fachliche Verleumdung ihrer Autoren

Eine Antwort zu “Lexikonverlag Brockhaus: Es gibt nur antisemitische und unseriöse Kritiker der Relativitätstheorie”

  1. Peter Rösch

    Noch einige Hintergründe zu den Verwicklungen des Brockhaus (“Der Große Brockhaus”, “Brockhaus-Enzyklopädie”) in die Relativitätstheorie.
    Berater der Brockhaus-Redaktion war für wissenschaftshistorische Fragen ein gewisser Prof. Armin Hermann in Stuttgart. Er kam aus dem Umfeld von Werner Heisenberg, über den er an Interna über die Vorgeschichte der Relativitätstheorie gelangte. Durch einen persönlichen Kontakt war Hermanns Informant Heisenberg anfangs der Zwanziger Jahre an Insiderinformationen gekommen, die dieser in seinem autobiographischen Spätwerk “Der Teil und das Ganze” in einer allerdings dem Publikum nicht recht verständlichen und verschroben wirkenden Geschichte unterbreitet hatte. Demnach – soviel läßt sich herauslesen – muß der Mathematiker Ferdinand Lindemann eine öffentlich unerkannte Rolle für die Relativitätstheorie gespielt haben. Den Interna folgend dürfte es sich bei der ganzen Einstein-Story, an die die Weltöffentlichkeit glaubt, in Wahrheit um eine Art Aprilscherz gehandelt haben. Dieser Linie folgend stattete Hermann dann als Berater des “Großen Brockhaus” der siebziger/achtziger Jahre das Stichwort “Lindemann, Ferdinand” mit dem imaginären Sterbedatum 1. April aus, was aber nur absoluten Insidern, etwa als eine Art Augenzwinkern, auffallen durfte. Das falsche Datum wurde dann auch von den Lexikonverlagen Knaur (unter Beratung des Relativitätstheoretikers Walter R. Fuchs) und Bertelsmann Lexikothek (Beratung: der Relativitätstheoretiker Werner Braunbek) übernommen.
    Auffällig ist auch, wie Hermann das Sterbedatum 1. April noch bei einer anderen Persönlichkeit als “Marker” für tiefere Zusammenhänge einsetzte: beim Stichwort “Steiner, Jakob”. Jakob Steiner, mit fast dem gleichen Geburtstag wie Einstein, stammt aus Bern; Maschineningenieuren ist er in Zusammenhang mit der Formel I = mr² bekannt. Sein sonderbares Leben wurde – ausgerechnet! – von Einsteins Schulkamerad Louis Kollros in einer Biographie beschrieben, was Brockhaus (Hermann) ausdrücklich vermerkt. Brockhaus (Hermann) schreibt über Steiner, daß “er nicht zuletzt durch ungewöhnliches Verhalten, später auch durch unaufrichtiges Zitieren, ein Außenseiter der wissenschaftlichen Welt blieb”. Geht es hier um einen Wink hinsichtlich der wahren Verfasserschaft der Relativitätstheorie? Daß beide Mathematiker – Ferdinand Lindemann und der solchermaßen beschriebene Jakob Steiner – von dem Insider Hermann mit dem Sterbedatum 1. April markiert wurden, wobei zugleich ein Bezug zu Einstein angegeben ist, dürfte nicht zufällig sein.
    Anmerkung: Das Datum ist in der neueren Auflage der Brockhaus-Enzyklopädie ersetzt worden.