Bolschewistenphysik

von Georg Biedenkapp

Bolschewistenphysik
Georg Biedenkapp
In: Tuermer (Der). 22. 1920 , Bd. 1, Nr. 6 (März 1920), S. 521-524.

Die Forschungsgruppe G.O. Mueller referiert stichwortartig in ihrer Dokumentation diese Arbeit von Georg Biedenkapp:

– Die Haltlosigkeit der Theorie ist evident; die Methoden der sozialen Durchsetzung der Theorie sind ein Skandal. Die gigantischen Anpreisungen der Leistungen des „angeblich
 neuen Kopernikus“ sind vielfach widerlegt: Born hat zugegeben, daß sich in Einsteins Arbeiten mathematische Irrtümer befunden haben; Einsteins Aufsatz von 1905 enthält logische Widersprüche; Minkowski selbst hat seine Formel als „mystisch“ bezeichnet, in der er Längen und Zeiten miteinander verbindet; die angebliche vierte Dimension ist nirgends vorhanden, sie nützt nur spiritistischen Schwindlern; für die Merkurperiheldrehung gibt es auch andere Erklärungen; die Lichtablenkung durch Gravitation wurde schon vor Einstein und ohne seine Theorie vermutet.

– Die Behauptungen der Relativisten von zahlreichen experimentellen Bestätigungen beweisen nichts für eine widersprüchliche Theorie: denn auch für jahrzehntelang vertretene Theorien wie die Phlogistontheorie und die Hypothese des Wärmestoffs wurden ständig neue Befunde als Bestätigungen behauptet, und doch mußten diese Theorien aufgegeben werden.

– Es ist unbegreiflich, daß die Mehrheit der Physiker auf die Theorie hereingefallen ist: „Die Blamage ist so ungeheuerlich, daß die Beteiligten mit allen Mitteln der Kameraderie sich an der Aufrechterhaltung des Humbugs beteiligen werden“ (S. 524).

Für März 1920 ist die Erwartung, daß die Relativisten mit „allen Mitteln der Kameraderie … die Aufrechterhaltung des Humbugs“ betreiben werden, erstaunlich klarsichtig: schon im September in Bad Nauheim hat Planck damit angefangen!

Der plumpe Aufsatztitel „Bolschewistenphysik“ ist irreführend: meint nicht, daß die Bolschewisten die Theorie vertreten, sondern daß die Öffentlichkeit auf Einstein hereinfällt wie die Arbeiter auf Marx und die Bolschewisten.

Die aufgeregte Schreibweise und einige politische Anspielungen machen es den Relativisten allerdings leicht, solche Artikel gegenüber der Öffentlichkeit als irrelevant abzutun. Dabei ist das vorgetragene Argument, daß auch viele Befunde eine widersprüchliche Theorie nicht bestätigen können, erkenntnistheoretisch grundlegend.

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