La relativité vue simplement

von Gustave Bessière

La relativité vue simplement
Gustave Bessière
Paris: Dunod 1930. 148 S.

Das GOM-Projekt referiert stichwortartig in seiner Dokumentation dieses Buch von Gustave Bessière:

Der Mathematiker ist geneigt, seine Rechnungen mit der Wirklichkeit zu verwechseln (Seite 6).

– Klassifiziert wiederholt die Behauptungen der Relativisten als Konstruktionen (artifices) oder Kunstgriffe, die nur mathematisch zweckmäßig sind, jedoch nicht mit der Wirklichkeit übereinstimmen. Zitiert zur Hypothese der Längenkontraktion (LK) bei Lorentz die Bewertung durch Poincaré (aus: Science et méthode): zur Interpretation des Michelson-Morley-Versuches hätte Lorentz annehmen können, daß die Lichtgeschwindigkeit (C) in Richtung der Erdbewegung größer ist als in der Querrichtung; er hat es jedoch vorgezogen, C als in beiden Richtungen für konstant zu halten und eine Längenkontraktion der Körper anzunehmen (S. 20).

– Diskutiert verschiedene Verfahren, die von den Relativisten für relativ erklärte Gleichzeitigkeit (GLZ) für voneinander entfernte Uhren absolut herzustellen (S. 85-91).

– Einstein leitet seine Relativität der GLZ vom technischen Verfahren der Lichtsignale ab; also muß es auch in den Augen der Relativisten vernünftig sein, andere Techniken zu verwenden. Arbeitet mit einem Wagen, der in verschiedene Bewegungen versetzt werden kann. Im Innern sind an den Enden des Wagens Uhren angebracht, die von einander entfernt sind und daher nach Einstein nicht absolut synchronisiert werden können.

– Bessières 1. Methode der absoluten Synchronisierung: auf der Strecke zwischen den beiden Uhren wird eine Reihe von entsprechend vielen Uhren aufgestellt, jeweils im Abstand von 7 cm (dem Abstand der Augen beim Menschen), so daß nacheinander jeweils 2 nebeneinanderstehende Uhren synchronisiert werden können, bis die GLZ von der einen äußersten Uhr zur anderen übertragen worden ist (S. 86-87).

– Bessières 2. Methode der absoluten Synchronisierung: die beiden Uhren an den Wagenenden werden durch eine drehbare Metallachse verbunden, die von der Mitte des Wagens in Bewegung gesetzt wird und damit den Gang beider Uhren absolut gleichzeitig startet (S. 88-89); im übrigen sind keine Ursachen bekannt, weshalb bewegte Uhren langsamer gehen sollten (S. 89).

 – Bessière setzt einen Relativisten in den beschriebenen, nach außen abgeschlossenen Wagen. Bessière führt mit einer seiner Methoden eine Synchronisierung der Uhren an den Wagenenden durch; der Relativist behauptet mit Einstein, daß es keine absolute GLZ zwischen diesen entfernten Uhren geben kann, daß jede vielmehr nur eine „lokale Zeit“ anzeigt. Bessière dagegen behauptet für beide Uhren die absolute GLZ: diese Behauptung kann nun wahr oder falsch sein.

– Ist Bessières Behauptung wahr, dann existiert eine universale Zeit und die angebliche „lokale Zeit“ der Relativisten ist als Fiktion erkannt und hinfällig.

– Ist Bessières Behauptung aber falsch, dann steckt in seinem Verfahren eine Unsymmetrie, die nur aus der Bewegung des Wagens stammen kann (S. 90-91). In diesem Fall bittet Bessière den Relativisten im Wagen, mit seinen Lichtsignalen und Spiegeln den Gang beider Uhren zu prüfen: mit diesem Verfahren kann der Relativist nach eigener Auffassung unfehlbar feststellen, daß eine der beiden Uhren nachgeht und um welchen Betrag. Damit aber wäre er in der Lage, ohne den Wagen zu verlassen, eine inertiale Bewegung festzustellen, was laut Relativitätsprinzip unmöglich ist. Schlußfolgerung: gleichgültig, ob Bessières Behauptung wahr oder falsch ist, in beiden Fällen wird eine fundamentale Aussage der Theorie als falsch erwiesen (S. 91).

– Entfaltet in der ersten Hälfte des Buches die Spezielle Relativitätstheorie aus ihren eigenen Grundlagen mit einer (scheinheiligen) Anerkennung ihrer mathematischen Richtigkeit unter gleichzeitiger Beteuerung, daß sie nur aus rechnerischen Kunstgriffen besteht, ohne physikalischen Gehalt. Die massive Kritik beginnt erst in der zweiten Hälfte des Buches und läßt von der Theorie nichts übrig.

– Besonders interessant sind die Ausführungen zur Herstellung der absoluten Gleichzeitigkeit; vgl. Benedicks 1923 u. Severi 1924.

 

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