Les bases de la physique moderne

von Edouard Guillaume

Les bases de la physique moderne [Teil 2]
Edouard Guillaume
In: Archives des sciences physiques et naturelles.
Genève, 1917 – Ser. 4, T. 43, S. 89 – 112.

Die Forschungsgruppe G.O. Mueller referiert stichwortartig in ihrer Dokumentation diese Arbeit von Edouard Guillaume:

– Die behaupteten Effekte der Theorie (Längenkontraktion, Zeitdilatation) hängen in
ihrer Größe nur von der relativen Geschwindigkeit zwischen beiden Systemen ab und sind vollkommen „réciproque; c’est la relativité qui l’exige“ (S. 93).

– Nach der Realität von Längenkontraktion und Zeitdilatation soll nach Auffassung der „adeptes de la relativité“ nicht gefragt werden: „La distinction entre réalité et apparence est vaine, et il convient de la bannir de la Science, qui est toute relative , c’est-à-dire ne peut établir que des comparaisons“ (S. 93).

– Erkennt einerseits die Geschlossenheit der Theorie an (la plus forte synthèse qui ait jamais été faite), lehnt die Theorie jedoch ab, weil sie kein Bild der Erscheinungen mehr liefert, sogar die Möglichkeit von Vorstellungen (images) ausschließt: „nous devrions renoncer complètement à comprendre le monde extérieur, ce que l’on ne peut admettre“ (S. 95). Die Relativisten wollen uns immer wieder vertrösten und versichern, daß es sich nur um eine Frage der Gewöhnung handelt, nach deren Erreichung wir mit dieser neuen Kinematik wie mit der alten arbeiten würden.

– Die Geometrie Euklids ist einfacher als jede nicht-euklidische (Zitat von Poincaré, S. 96) und deshalb unverändert anzuwenden.

– Die Zeit ist irreversibel; auch wenn man die Uhrzeiger im gegenläufigen Sinn drehen wollte, bliebe die Zeit in einem absoluten Sinn irreversibel. Für die Spezielle Relativitätstheorie  dagegen gibt es eine reversible Zeit, weil man in ihren Gleichungen t gegen -t vertauschen kann und sie ihren Sinn behält, wie die klassische Mechanik. Alle aus der Speziellen Relativitätstheorie gefolgerten Paradoxa „reposent sur la confusion constante entre le temps réversible et le temps irréversible“ (S. 98). Um zu beweisen, daß eine größere Ausbreitungs-geschwindigkeit als die des Lichts unverträglich mit seiner Theorie ist, hat Einstein argumentiert, andernfalls würde man in die Vergangenheit telefonieren können, weil das Signal ankäme, bevor man es aus aussendet (Einstein-Zitat, S. 99): kritisiert, daß Einstein hier eine reversible und eine irreversible Zeit miteinander vergleicht.

 – Die behauptete Eigenzeit (lokale Zeit) der Systeme und die angebliche Verzögerung des Uhrengangs im relativ bewegten System beruht nur auf der Frequenzverschiebung der Übertragungsfrequenzen zwischen den Systemen, aber nicht auf einem verschiedenen Zeitverlauf (S. 100).

– Weist das Zwillingsparadoxon und seine Erklärung durch Beschleunigungen zu Beginn und zu Ende der Reise zurück, weil auch die Einsteinsche Kinematik wie die klassische Kinematik nur relative Bewegungen kennt: man kann aus einer Theorie nur herausholen, was man vorher in die Voraussetzungen gesteckt hat, und eine Beschleunigung mit absolutem Charakter sei ein neues Element, das man in den Lorentz-Transformation nicht findet. Die „bizarreries dans les durées“ kann man nur aus einer Absolutsetzung der Beschleunigung ableiten, die es in der Kinematik nicht geben kann: für die Kinematik ist es gleichwertig, ob man von der Erde aus die Bewegung der Sonne beschreibt oder von der Sonne aus die Bewegung der Erde (S. 101). Vermutet, dass die „Weltlinien“ aus Minkowskis 4-dimensionaler Welt zu dem Fehler verführt haben.

– Weist die Möglichkeit nach, den absoluten Zeitbegriff in die Spezielle Relativitätstheorie einzuführen (S. 102 – 112).

Einer der frühen fundamentalen Nachweise (noch vor Dingler 1919), daß die euklidische Geometrie allein schon wegen ihrer klaren Einfachheit elementarer ist als alle nicht-euklidischen und deshalb vorzuziehen, wofür sich auch Poincaré ausgesprochen hat, der im übrigen ausdrücklich der Meinung war, daß man jede beliebige Geometrie im Raum verwenden kann. – Dingler erst wird das Argument hinzufügen, daß jede nicht-euklidische Geometrie durch einen Krümmungsradius definiert werden muß, der nur in der euklidischen Geometrie angegeben werden kann, weshalb also die euklidische Geometrie vorausgesetzt werden muß.

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