Verstand contra Relativität: zum Nachweis der Translation des Sonnensystems

von Giulio Alliata

Das GOM-Projekt referiert stichwortartig in seiner Dokumentation zwei Arbeiten von Giulio Alliata:

1922 – Verstand contra Relativität: zum Nachweis der Translation des Sonnensystems, mit einem Anhang zur praktischen Durchführung der Versuche (Motto: Natura non facit saltus) – Leipzig: Hillmann 1922. 83 S.

Durch wenig übersichtliche Stoffdisposition sowie durch Verbindung der Kritik mit einer eigenen Theorie (mit Äther-Hypothese) treten nicht alle Kritikpunkte deutlich hervor.

– S. 17-22: Nachweis von Translationsbewegungen durch Lichtwegmessungen. Akzeptiert als Voraussetzung die von der Theorie behauptete C-Konstanz. Beschreibt zwei Versuchsanordnungen, die aufgrund der C-Konstanz eine Translation anzeigen.

– S. 23-28: Zum Äquivalenzprinzip: die Demonstration am geschlossenen Kasten im freien Fall nach unten oder beschleunigt nach oben erlaubt – entgegen der Behauptung der Theorie – die Bestimmung der Ursache durch Verwendung einer Federwaage: im freien Fall würde sie für ein aufgelegtes Gewicht keine Belastung zeigen, wohl aber bei der Kraftwirkung einer Beschleunigung nach oben.

– S. 35: Die Relativitätstheorie betrachtet die Geschwindigkeit eines Punktes der Erdoberfläche in der Erddrehung als relative Geschwindigkeit: sie kann jedoch nicht angeben, in bezug worauf diese Bewegung relativ sein soll. Deshalb ist diese Bewegung als absolut zu betrachten.

– S. 58-60: Nachweise der absoluten Bewegung der Erde auf der Ekliptik.

– S. 66-70: Erörterung der Sonnenfinsternis-Beobachtungen 1919.

Eine der frühesten Anwendungen der behaupteten C-Konstanz zum experimentellen Nachweis einer Translationsbewegung; vgl. später: Palacios 1966 (Axiomatica). Leitet daraus jedoch nicht den Widerspruch zwischen Relativitätsprinzip und C-Konstanz ab, weil auch er das Ergebnis des Michelson-Morley-Versuches für ein Null-Ergebnis hält; dies ist eines der wahren Rätsel der gesamten Diskussion um die Theorie, daß sowohl Anhänger wie auch viele Kritiker das Gerücht vom „Null-Ergebnis“ des Michelson-Morley-Versuches nicht auflösen können, obwohl man dazu nur die Originalveröffentlichung von Michelson und Morley (On the relative motion … In: Philosophical magazine. Ser. 5, Vol. 24. 1887, S. 449-463) einsehen muß (S. 458): „the relative velocity of the earth and the aether is probably less than one sixth the earth’s orbital velocity, and certainly less than one fourth.

 

1934 – Unzulänglichkeiten und Irrtümer der Physik: Abbau und Aufbau
Bern: Haupt 1934. 99 S.

Vertritt das Weltbild der Äthermechanik. Entwirft eine „neue Physik“. Aus der Äther-Hypothese ergibt sich zwangsläufig ein Widerspruch zur Speziellen Relativititästheorie.

– Trägt Kritik der Theorie nur am Rande vor, im Zusammenhang mit dem Verhältnis zwischen Physik und Mathematik: „Noch deutlicher ist dieser Sachverhalt bei der Einstein’schen Relativitätstheorie erkennbar, weil sie sich, trotz ihres mathematischen Aufbaues, durch die inzwischen ermittelte absolute Bewegung der Erde als Fiktion erwiesen hat.“ (S. 51). Mit „Sachverhalt“ ist gemeint: Physiker ist Hausherr, Mathematik ist Dienerin.

Bezieht sich auf die „inzwischen ermittelte“ Ätherdrift, meint wahrscheinlich D. C. Millers Experimente von 1925/26, obwohl schon MMV ein zwar geringeres als erwartet, aber doch ein positives Ergebnis gebracht hatte.

Eine Antwort zu “Verstand contra Relativität: zum Nachweis der Translation des Sonnensystems”

  1. Peter Rösch

    Immer wieder, auch von G. O. Mueller, dieser Quatsch mit dem „Positivergebnis“ von Michelson!
    Es ging um ein „Experimentum crucis“: zwischen der Stokesschen Vorstellung der Äthermitführung, und der gegenteiligen Fresnelschen Auffassung, wonach sich der Äther nicht an der Bewegung der ponderablen Materie beteilige.
    Michelson machte sein Experiment, und es sprach sehr deutlich für Stokes. Das war schon alles, und so betrachtete es auch Michelson. Da gab es kein positives oder negatives Ergebnis, sondern es gab eine Entscheidung.
    Die ist dann allerdings mit einem Nullergebnis kompatibel.
    „Ehe ich das Zeug [die Relativitätstheorie] glaube, glaube ich lieber, dass ich falsch beobachtet habe!“ Dieses Michelson-Zitat gibt nur einen Sinn, indem er selbst eigentlich von dem Meßwert (nämlich Null) ausging, der von der Relativitätstheorie tatsächlich benötigt wurde.

    Es ging bei dem berühmten Experiment insbesondere nicht um die Frage eines Äthernachweises – die wurde erst von den Positivisten (Snyder, Kleinpeter, Poincaré, schließlich Lindemann alias Einstein) nachträglich gestellt – sondern die Existenz des Äthers war, wissenschaftlich bestens begründet, vorausgesetzt. Ob dieser Äther evtl. einen leichten Schlupf gegenüber der Erdoberfläche hat, und ob man den aus den Michelsonschen Daten herauslesen kann, ist eine Frage für sich, die aber mit der Intention des Experiments nichts zu tun hat.