Minkowski-Welt – Fehler Nr. 5

von G.O. Mueller

Aus der Dokumentation von G.O. Mueller Kapitel 2 – Fehlerkatalog (G: Minkowski-Welt / Fehler Nr. 5) (English Version…):

Eine Interpretation der vierdimensionalen Minkowski-Welt als physikalischer Raum ist unmöglich

Minkowski definiert in seinem Vortrag 1908 (S. 55) „einen Raumpunkt zu einem Zeitpunkt“ als einen „Weltpunkt„, dem er die 3 Raumkoordinaten und eine Zeitkoordinate, also insgesamt 4 Koordinaten zuordnet, die er als vier Dimensionen bezeichnet.

Nach Minkowski selbst ist also sein „Weltpunkt“ eindeutig kein Raumpunkt, denn sonst müßte er keinen neuen Begriff „Weltpunkt“ einführen; alle Relativisten nach Minkowski tun jedoch so, wenn sie seine vierdimensionale Raumzeit behandeln, als seien Minkowskis „Welt“ ein Raum und seine „Weltpunkte“ Raumpunkte und seine „Weltlinien“ Wege im Raum, und das allgemeine Publikum kann sich natürlich für subtile Vorbehalte Minkowskis nicht interessieren, die er nur durch eine eigene Begrifflichkeit zum Ausdruck bringt.

Die von den Relativisten absichtsvoll betriebene Verfälschung von Minkowskis „Welt“ zum „Raum„, nämlich dem Weltenraum schlechthin, ist schlagend zu widerlegen durch die Aufforderung, man möchte bitte, wenn Minkowskis vierdimensionale „Welt“ ein Raum sein soll, einen ponderablen Körper hineinzeichnen, z.B. einen Tisch mit rechteckiger Tischplatte und vier Tischbeinen, wobei die Ausmaße dieses Körpers und seine Lage in der behaupteten Raumzeit ohne Belang sind. 

Der vom Tisch eingenommene Raum ist ein Quader, und wenn die Relativisten ihn in die vierdimensionale Raumzeit Minkowskis hineinzeichnen, dann werden die Ecken der Tischplatte und die Füße der Tischbeine (also die Ecken des Quaders) unterschiedlichen Zeiten angehören; dieses Ergebnis ist unabhängig davon, welche Darstellung gewählt wird: die perspektivische Zeichnung der Zeitkegel (mit nur 2 Raumkoordinaten und einer Zeitkoordinate) oder die ebene Darstellung (mit nur einer Raumkoordinate, die irgendwie die drei Raumkoordinaten zusammenfassen soll, was völlig rätselhaft ist, und einer Zeitkoordinate).

Weil also dreidimensionale Körper unserer physikalischen Wirklichkeit in Minkowskis Raumzeit nur unsinnige Beziehungen aufdecken würden, die durch keine empirischen Befunde beglaubigt sind, arbeitet Minkowski selbst in seinen Zeichnungen und Rechnungen vorsichtigerweise nur mit „Weltpunkten„, nie mit Körpern – stellt jedoch anschließend gern handfeste Behauptungen über Körper auf!

Insgesamt eine merkwürdige Welt: viele „Räume„, keinerlei Körper, nur „Punkte“ und „Linien„, und eine empirisch nicht meßbare Zeitkoordinate, weil sie mit sich selbst multipliziert einen negativen Wert produzieren soll, was es leider nicht gibt – dafür aber vier Dimensionen. Wo liegen in dieser Minkowski-Welt London und Paris und was für Linien verbinden diese beiden Orte?

Die Kritik darf gerechterweise nicht gegen Minkowskis vorsichtige Formulierungen gehen, sondern erst gegen die Anhänger und Nachfolger. Minkowski selbst kann man jedoch den Vorwurf nicht ersparen, in seinem Vortrag 1908 die Gleichsetzung seiner „Welt“ mit dem Raum (Weltraum) nahegelegt und dem Publikum suggeriert zu haben, da die Leute, auch die bei seinem Vortrag überwiegend anwesenden „deutschen Naturforscher„, gemeinhin weniger (als sie glauben) denken und vielmehr assoziieren und „vorstellen„, und da ist der Weg von Minkowskis „Welt“ zum allbekannten Weltraum unserer Erfahrung assoziativ nicht sehr weit, wenn auch irrig. Alle auf diesem Irrtum gegründeten Beweisgänge sind gegenstandslos.

Minkowski, Hermann: Raum und Zeit : Vortrag, 80. Naturforscher-Vers., Köln 1908, 21. Sept. In: Naturforschende Gesellschaft, Cöln. Verhandlungen. 80. 1909, S. 4-9. Zugl in: Physikalische Zeitschrift. 20. 1909, S. 104-111. Abgdr. in: Das Relativitätsprinzip. Lorentz, Einstein, Minkowski. 6. Aufl. 1958, S. 54-66.

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