Wie es dazu kam, daß ich den Einsteinturm errichtete

von Erwin Finlay Freundlich 

Wie es dazu kam, daß ich den Einsteinturm errichtete
Erwin Finlay Freundlich

Manuskript von ca. 1961, aus dem Nachlaß herausgegeben
In: Physikalische Blätter. 25. 1969, H. 12, S. 538-541.

Die Forschungsgruppe G.O. Mueller referiert in der Ergänzung des Kapitels 4 ihrer Dokumentation diese Arbeit von Erwin Finlay Freundlich:


  

Verweist auf den im Oktober-Heft erschienenen Beitrag von Heinz Dehnen über den gegenwärtigen Stand der Prüfung der Theorie. 

Beschreibt die historische Situation der physikalischen Forschung zur Allgemeinen Relativitätstheorie um 1920 und die Entwicklung zum Bau des Einsteinturms in Potsdam, der speziell der Erforschung der Rotverschiebung  der Spektrallinien im Sonnenspektrum und der Lichtablenkung des Lichts im Gravitationsfeld der Sonne dienen sollte. 

(S. 541.) „Seitdem sind 40 Jahre vergangen; sie rechtfertigen die Frage: haben sich die Erwartungen erfüllt, in Sonderheit haben die zwei genannten Probleme eine befriedigende abschließende Beantwortung gefunden, so daß eine gesicherte Grundlage für die Relativitätstheorie gegeben ist? 

Die Antwort auf diese Frage ist verneinend, nicht weil die dem Astronomen zur Verfügung stehenden Forschungsmittel sich als unzureichend erwiesen hätten, sondern weil die so klar formulierten Probleme bei tieferem Eindringen in die Zusammenhänge sich als z.T. unentwirrbar komplex erwiesen haben. 

Dies gilt in Sonderheit von dem Problem des Nachweises einer allgemeinen Rotverschiebung aller Linien eines Sonnenspektrums relativ zu den ihnen entsprechenden Linien einer irdischen Lichtquelle. Relative Verrückungen von Spektrallinien haben ihren Ursprung in mannigfachen Ursachen; jede Bewegung der das Licht auf der Sonnenoberfläche emittierenden Atome relativ zu dem das Licht empfangenden Beobachter auf der Erde wirkt sich in einer Verlagerung der Spektrallinien aus, und da auf der Sonnenoberfläche, wie wir jetzt wissen, komplizierte Strömungsverhältnisse bestehen, ist es bisher nicht gelungen, das bestehende Bild in seine Komponenten aufzuspalten und die alle Linien in gleichem Maße affizierende relativistische Rotverschiebung aller Sonnenlinien sauber von anderen Einflüssen zu befreien.“ 

Während also das eine der Probleme als „noch offen“ beurteilt wird, boten sich zur gravitativen Lichtablenkung mehrere Gelegenheiten der Beobachtung (1922, 1926, 1929): „Nicht alle waren erfolgreich. Aber alle neu hinzukommenden Ergebnisse bestätigten im wesentlichen diejenigen der ersten britischen Beobachtungen, fielen also zugunsten der theoretischen Aussage aus, zugleich enthüllten sie jedoch die überraschende, bis jetzt noch unaufgeklärte Tatsache, daß die die Schwere des Lichts anzeigende Bahn der Lichtstrahlen eine stärkere Krümmung anzeigt, als die Formeln voraussagen. Es ist also ein weiterer den Gang der Lichtstrahlen beeinflussender kosmischer Effekt wirksam. […] So steht auch das zweite Problem, das der Schwere des Lichtes, noch im Ringen um die letzte Erkenntnis.“

_ Die Betonung der noch nicht endgültigen Klärung der beiden genannten Effekte steht in klarem Widerspruch zur Propaganda der Relativisten seit 1920.

 

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