Briefe aus meiner Mühle

von Wolfgang Herrig

Briefe aus meiner Mühle 
Streifzüge durch die (Wissenschafts-)Geschichte;
12. Brief (Teil 1) : Fliehkraft und Fahnenflucht (12.10.2009);
Teil 2-9 (20.10.-14.12.09)
Wolfgang Herrig
WWW2009. 2 S. Quelle: http://www.chronologs.de/chrono/blog/briefe-aus-meiner-muhle/

Die Forschungsgruppe G.O. Mueller referiert in der Ergänzung des Kapitels 4 ihrer Dokumentation diesen Artikel von Wolfgang Herrig:

Resümiert in Teil 1 jüngst erschienene Arbeiten, die Kritik an Albert Einstein und der Speziellen Relativitätstheorie vortragen. Auszüge:

“Die Absetzbewegungen von den Relativitätstheorien werden unübersehbar, wenn im Augenblick auch oft noch Nicht-Physiker der anschwellenden Flüchtlingswelle voraneilen. Heft 09/2009 von “Spektrum der Wissenschaft” zeigt als Titelbild einen sichtlich verlebten Einstein, das Gesicht verwüstet, den wässrigen Blick verzweifelt ins Nichts gerichtet. Es scheint, dass die Verwirrung ihm den Kopf gesprengt hat. Allerlei buntes Gewölle quillt hervor. “Wo Einstein irrte” steht in gelben Warnlettern daneben. “Ist die Relativitätstheorie zu retten?” fragen der Philosoph David Z. Albert und die Literarin Rivka Galchen und geben sich besorgt wie um einen todgeweihten Patienten. “Auf einmal ist der Status der speziellen Relativitätstheorie … eine radikal offene Frage …”.

Noch ziehen sie sich am Ende ihres Beitrags eher halbherzig hinter die pflichtgemäße Lobhudelei zurück: “Es könnte gut sein, dass der unterschätzte (??) Vordenker dort irrte, wo wir ihm Recht gaben (das müsste aber so ziemlich überall sein), und dort Recht hatte, wo wir glaubten, er sei im Irrtum.” (Letzteres bezieht sich auf die Quantenverschränkung, die tatsächlich weder Einstein noch sonst jemand bisher wirklich verstanden hat. An dieser Stelle scheint nämlich der zeitlose Urgrund der Welt hervorzutreten). Die Autoren wollen darauf hinaus, dass wir es dem Genie Einsteins verdanken, wenn wir nun endlich doch erkennen, dass die Quantenmechanik (vielleicht) falsch, falsch interpretiert oder “unvollständig” sei. Die ungebührliche Verzögerung soll daran liegen, dass man Einsteins Kritik an der Quantenmechanik so lange ignoriert habe. Und die Spezielle Relativitätstheorie sei ja sowieso ein Problemfall und “in ihrem Kern bedroht”.”

Weitet seine Bestandsaufnahme auf Allgemeine Relativitätstheorie, Kosmologie und Teilchenphysik aus:

Das Universum besteht demnach nämlich aus einigen wenigen Prozenten Quarks, die man nicht isolieren kann, und die daher hypothetisch bleiben, aus mehren Prozenten “Dunkler Materie”, einer ebenso obskuren wie umstrittenen Masse, und einem großen Rest “Dunkler Energie”, von der man nicht die geringste  Vorstellung hat. Kommt es dann zur Berechnung der Vakuumenergie des Raumes, steht man vor der größten Soll-Ist Abweichung der Wissenschaftsgeschichte. Unvorstellbare 120 Größenordnungen sind unerklärt. “… we discover the horror of a cosmological constant big enough to not only destroy the galaxies, stars and planets but also the atoms, and even the protons and neutrons …” schreibt Leonard Susskind in “The Cosmic Landscape” : Und weiter unten im Text heißt es: “Perhaps the resolution is that our theory of gravity – The General Theory of Relativity – is just plain wrong …”. Lee Smolin (“The Trouble with Physics”) sieht die Sache eher noch düsterer: “When something like this is happening in sports or business, it’s called hitting the wall. Why is physics suddenly in trouble?” Und unter Bezug auf die Allgemeine Relativitätstheorie heißt es: “… a more sober view is that the theory is just inadequate.” Falsch also.

Einer der Gründe, warum der Karren vor die Wand gefahren wurde.” [...]

“Auch bei P.M. wird man neuerdings sehr vorsichtig. “Und wie steht Einstein heute da?” fragt man sich besorgt in “Perspektive” Nr. 3/2009, so als spräche man über das schwarze Schaf in der Familie und ringt sich zu einem nicht einmal lahmen Bekenntnis durch: “Bei allem Lob – das manchmal in Lobhudelei ausartet und sich sogar zur Heiligenverehrung steigert – sind Einsteins Thesen Entwürfe, was er selbst auch so sah. Manches ist unvollständig, manches auch widersprüchlich und noch immer ungeklärt.”"

Behandelt in Teil 2-9 einzelne Probleme der beiden Relativitätstheorien, jeweils von der Entstehungszeit der Theorien bis zu ihren modernsten Variationen und Interpretationen.

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Siehe auch vom Autor in diesem Blog:

12. Brief aus meiner Mühle: Fliehkraft und Fahnenflucht
13. Brief aus meiner Mühle – Wir wollen stark Getränke schlürfen

4 Antworten zu “Briefe aus meiner Mühle”

  1. Dr. Wolfgang Herrig

    Sehr geehrte Frau Lopez,

    mit Freude sehe ich, dass meine nun doch schon länger zurückliegenden Blogbeiträge in Chronologs immer noch Ihre Aufmerksamkeit finden. Ihre Webseite besuche ich regelmäßig und freue mich über die offenbar wachsende Fangemeinde.

    Mit den besten Wünschen und freundlichen Grüßen
    Wolfgang Herrig

  2. Jocelyne Lopez

    Sehr geehrter Herr Dr. Herrig,

    Das ehrt und freut mich sehr, dass Sie den Weg zu unserer Webseite gefunden haben. Auch ich habe Ihre sehr informative Artikel-Reihe „Briefe aus meiner Mühle“ immer sehr gerne gelesen (und nicht nur wegen meinem persönlichen Bezug zu den „Lettres de mon moulin“, die meine Kindheit in der Provence begleitet haben).

    Ich habe zum Beispiel Ihre kurze Analyse der Sprache, die bei der „Aufklärung“ der Speziellen Relativitätstheorie eingesetzt wird, persönlich als ganz besonders treffend empfunden, und zwar in dem Sinne, dass diese Sprache nicht “zur Erklärung des Gewollten” dient, sondern “zur Verschleierung des Unerwünschten”.

    Herzliche Grüße
    Jocelyne Lopez

  3. Bernhard Berger

    Hallo Herr Herrig,

    ich den 13. Brief aus ihrer Mühle gelesen und finde ihn einfach super. Niemals könnte ich einen Brief so verfassen wie sie es tun.

    Ich denke, dass die ART/SRT das 21. Jahrundert wohl nicht überstehen wird.

    Was bedeuetet eigentlich “Jahrhundert-Theorie” ? Dass sie nach 100 Jahren fällt :-) !

    PS: ich darf doch Wolfgang sagen :-)

  4. Relativitätstheorie: Kultur des Verschweigens und der Verschleierung | Blog - Jocelyne Lopez

    […] möchte ich Wolfgang Herrig  in seinem Blog bei Sci-Log/Spektrum der Wissenschat […]

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