Die Mechanik im Rahmen der allgemeinen Physik

von Johann Emil Wiechert 

Die Mechanik im Rahmen der allgemeinen Physik
Emil Wiechert
 

In: Die Kultur der Gegenwart , Teil 3, Abt. 3, Bd. 1: Physik. 1915, S. 1-78 – books-google.de

Die Forschungsgruppe G.O. Mueller referiert stichworthaltig in ihrer Dokumentation Über die absolute Größe der Speziellen Relativitätstheorie (Textversion 2.1 – Juni 2004) diese Arbeit von Johann Emil Wiechert:
 

  S. 3-29: Mechanik bis zu Newton.

– S. 29-43: 19. Jh., Äther-Hypothesen. 

– S. 43-47: Elektrodynamik. FitzGerald und Lorentz haben die Längenkontraktion als „Hypothese erdacht“ (S. 43), in relativer Bewegung zum Äther. Einstein entwickelt seine Spezielle Relativitätstheorie ohne Ätherhypothese, mit Längenkontraktion und Zeitdilatation als realen Effekten. Die Konsequenzen im Uhren- bzw. Zwillingsparadoxon von Langevin sind „Scherze, die geeignet erscheinen, das Wesentliche in klares Licht zu setzen“ (S. 46). Die Einsteinschen Gedanken haben „manches Lockende an sich“; „dennoch gibt es unter den heutigen Physikern viele – und der Referent gehört zu diesen – welche den Einsteinschen Untersuchungen … heuristischen Wert zuerkennen, welche aber doch meinen, daß für das Verständnis der Erscheinungen die Ätherhypothese einfacher und naturgemäßer erscheint als das Einsteinsche Relativitätsprinzip“ (S.47). 

– S. 62: „Wir wollen die Worte „Raum“ und „Zeit“ jetzt im allgemeinen Sinn, nicht etwa im Sinne von Raumteil oder Zeitteil verstehen. Dann scheint gewiß, daß nicht jeder Körper unabhängig von den übrigen einem Raum für sich und einer Zeit für sich überantwortet ist.“ 

– S. 63: „Das Band, welches in dem Beharrungsgesetz offenkundig alle Körper zusammenfaßt, erhält so transzendentalen Charakter: es wird durch Raum und Zeit selbst geboten. Die „Relativitätstheorie“ in ihrer abstraktesten Form baut diese Vorstellungen noch weiter aus, indem sie eigenartige transzendente Beziehungen zwischen Raum und Zeit als maßgebend für die Vorgänge in der Sinnenwelt annimmt.“ 

– Verweist auf Einsteins eigene Darstellung der Relativitätstheorie in demselben Sammelband (S. 703-713).  Wiecherts Beitrag mit grundsätzlicher Kritik und Ablehnung eröffnet den Band, und in Einsteins Beitrag über die Relativitätstheorie am Ende des Bandes stellt der Herausgeber in einer Fußnote fest, daß Wiechert eine „abweichende Auffassung“ vertritt. 1915 ist Einstein also für den Herausgeber schon die Autorität und Wiechert der „Abweichler“ – der aber 1915 immerhin noch abgedruckt wird. 

. 

 

2 Antworten zu “Die Mechanik im Rahmen der allgemeinen Physik”

  1. Peter Rösch

    Die zum Schluß genannte Bemerkung geht auf Emil Warburg zurück. Sie findet sich auch noch in der zweiten Auflage von 1925 (S. 783), die unter Redaktion von Ernst Lecher entstand. Da Lecher in seinem Lehrbuch die Ätherauffassung („Denknotwendigkeit“) heranzuziehen pflegte, interpretiere ich die genannte, so verbliebene Bemerkung eher als eine vorsichtig zum Ausdruck gebrachte Distanzierung von den „Einsteinschen“ Gedankengängen.

  2. Joachim Meyer

    „Die Wirklichkeit hat sich noch immer einfach gezeigt, wo man sie recht verstehen lernte.“ (Emil Wiechert)