Die Übertragung des „Relativitätsprinzips der Elektrodynamik“ auf die Mechanik soll mit keinem empirischen Ergebnis in Widerspruch geraten

von G.O. Mueller

Aus der Dokumentation von G.O. Mueller Kapitel 2 – Fehlerkatalog
Q: Methodik / Fehler Nr. 1 (English Version…):

Die Übertragung des „Relativitätsprinzips der Elektrodynamik“ auf die Mechanik soll mit keinem empirischen Ergebnis in Widerspruch geraten

M. v. Laue 1913 (S. 1-7) entwickelt den Begründungszusammenhang und den eigentlichen Zweck der Speziellen Relativitätstheorie von Albert Einstein folgendermaßen

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(1) es gibt ein Relativitätsprinzip der Mechanik (Galilei);

(2) es gibt ein Relativitätsprinzip der Elektrodynamik (Maxwell);

(3) S. 7: „Wären beide Relativitätsprinzipe, das eine für die elektrodynamischen, das andere für die mechanischen Erscheinungen gültig, so definierten beide zusammen doch wieder ein ausgezeichnetes System; sie höben daher ihre Bedeutung gegenseitig auf. An Vorgängen, welche weder rein mechanische noch rein elektrodynamische sind – rein elektrodynamische gibt es überhaupt nur im leeren Raume, sonst sind immer irgend welche Körper mit ihren mechanischen Eigenschaften daran beteiligt – müßte sich dann eine absolute Bewegung erkennen lassen.“ Fügt hierzu eine Fußnote an, in der er auf die Möglichkeit verweist, „die Erdgeschwindigkeit durch Messung der Lichtgeschwindigkeit relativ zur Erde parallel und entgegengesetzt der Erdgeschwindigkeit“ festzustellen. Unmittelbar anschließend fortfahrend, gesperrt gesetzt: „Es kann daher in der ganzen Physik nur ein Relativitätsprinzip geben, wenn es diesen Namen wirklich verdienen soll.“

(4) Nach dem angeblichen Zwang zur Einheit stellt sich die Frage, welches der beiden Relativitätsprinzipe die Physiker obsiegen lassen: „Wir kommen mit keinem empirischen Ergebnis in Widerspruch, wenn wir das Relativitätsprinzip der Elektrodynamik auf die Mechanik übertragen. Das Umgekehrte wäre hingegen nicht möglich.“ Anschließend, gesperrt gesetzt: „Es ist daher das Relativitätsprinzip der Elektrodynamik, dem wir universelle Gültigkeit zuschreiben müssen, wenn wir nicht überhaupt auf ein solches verzichten wollen.

In Punkt 3 zeigt M. v. Laue in schöner Offenheit den Kern aller Motive vor: es „müßte sich dann eine absolute Bewegung erkennen lassen„; das ist der eigentliche Horror! M. v. Laue bestreitet an dieser Stelle gar nicht, daß die absolute Bewegung empirisch festgestellt werden kann, sondern stellt diese Möglichkeit hin als etwas, was verhindert werden muß! Es gibt also offensichtlich in der Physik möglicherweise Erkenntnisse, die unerwünscht sind und deshalb verhindert werden müssen, wie z.B. der Nachweis einer absoluten Bewegung.

Auch das ist Physik und verdiente, weiteren Kreisen der Öffentlichkeit bekanntgemacht zu werden. M. v. Laue 1913 führt einige Seiten später (S. 13-16) das bekannte angebliche Ergebnis des Michelson-Morley-Versuchs vor: „keine Spur“ einer Verschiebung der Interferenzstreifen sei beobachtet worden; weil er in Wahrheit nur eine Spur gefunden hatte, hatte Michelson aufgegeben, das Experiment abgebrochen, nicht einmal vollständig zu Ende geführt. Bereits 1905 hatten Morley / Miller in Cleveland wieder eine Drift von 8,7 km/sec. gemessen, und in demselben Jahr 1913, in dem v. Laues 2. Auflage erscheint, wird in Frankreich Sagnac seine gemessenen Laufzeitunterschiede veröffentlichen.

Da es also das erklärte Hauptziel der Relativitäts-Veranstaltung ist, die Messung einer absoluten Geschwindigkeit (z.B. der Erde gegen das Licht) zu verhindern, wird verständlich, warum die von Michelson 1887 festgestellten geringen Laufzeitunterschiede als „keine Spur“ geleugnet werden müssen. Das angebliche Null-Ergebnis soll als Fundament für die Theorie dienen und darf deshalb nie revidiert werden – leider wurde es zwar durch Sagnac schon 1913 und durch Dayton C. Miller 1925/1926 endgültig demoliert, was aber glücklicherweise auch im Laufe von 80 Jahren nicht bis in die Öffentlichkeit durchgesickert ist.

Für einen Laien ist eigentlich nicht zu verstehen, warum die Physiker sich eine Erkenntnismöglichkeit so hartnäckig verbarrikadieren wollen: Wem wäre denn mit dem möglichen Nachweis einer absoluten Bewegung (z.B. der Erde) geschadet? Warum wäre diese Erkenntnis, wenn sie denn zu erlangen wäre, nichts wert? Warum muß der Erkenntnisfortschritt, dem prinzipiell bereits genug Schwierigkeiten entgegenstehen, noch vorsätzlich verhindert werden?

M. v. Laue liefert auch dafür eine Erklärung oder Motiv (S. 6): „So gerät die Relativitätsfrage in den engsten Zusammenhang mit der alten Streitfrage: Fernwirkung oder Übertragung mit endlicher Geschwindigkeit durch ein Zwischenmedium?“ Das Zwischenmedium ist der Äther. Und die alte Streitfrage ist tatsächlich alt, man kann sie nicht eindeutig beantworten, weil der Michelson-Morley-Versuch „keine Spur“ eines Laufzeitunterschiedes gebracht hat; man möchte keine unbeantwortbaren Streitfragen mehr, man möchte Streitfragen, die man beantworten kann, und findet als Rettung die Theorie von Albert Einstein. Diese schöne Abwechslung in eine neue Streitfrage will man sich natürlich nicht gleich wieder wegnehmen lassen. Das ist Physik von 1913 bis heute.

Das Ergebnis im Jahr 2000:

(1) die Laufzeitunterschiede der Lichtstrahlen sind gemessen und damit die Drift der Erde im Raum-Äther oder Äther-Raum bestätigt,

(2) die Unipolarinduktion ohne relative Bewegung zwischen den Instrumenten, sondern allein zum Raum-Äther oder Äther-Raum, ist jederzeit empirisch beobachtbar,

(3) die Rotation als absolute Bewegung ohnehin nie durch die Spezielle Relativitätstheorie domestiziert;

(4) die Masse-Energie-Beziehung E = mc² definiert einen absoluten Effekt, der keiner Relativität unterliegt;

(5) ebenso ist die Thermodynamik von keiner Relativität abhängig.

Damit wird durch fünf absolute Bewegungen und „Umwandlungen“ das Relativitätsprinzip der Speziellen Relativitätstheorie seiner Allgemeingültigkeit beraubt, allen Zwangsvorstellungen der Relativistik der Boden entzogen. Das ideologische Programm M. v. Laues von 1913 steht mit fünf nichtrelativen empirischen Befunden im Widerspruch und ist damit nach seinem eigenen Kriterium gescheitert; es bleibt nur die von ihm selbst genannte Alternative: „überhaupt auf ein solches [nämlich ein Relativitätsprinzip] verzichten„.

Was für seltsame Begründungen 1913 als physikalisch galten: „Es kann daher in der ganzen Physik nur ein Relativitätsprinzip geben, wenn es diesen Namen wirklich verdienen soll.“ Wieso „kann … nur„? Wenn es nur ein Prinzip geben soll, muß es physikalisch zwingend begründet sein – weiter nichts. Namen muß es nicht verdienen. Und für zwei Prinzipien gilt dasselbe. Ebenso für das Übertragen eines Prinzips von einem Feld auf das andere. In Grundsatzfragen können nur zwingende Gründe akzeptiert werden, aber nicht bloß fehlender Widerspruch zu Tatsachen, oder die Gefahr der Feststellung von absoluter Bewegung.

Man muß zwischen der Erkenntnis der Natur und der Erfüllung der Lieblingsideen von bedeutenden Physikern sauber unterscheiden.

M. v. Laue will der Relativistik die ideologischen Korsettstangen einziehen, damit diese Anhäufung von sachlichen Fehlern, logischen Widersprüchen und sonstigen Ungereimtheiten auf einer höheren Warte der Physikideologie als notwendige und deshalb erstrebenswerte Lösung erscheint.

Laue, Max v.: Das Relativitätsprinzip. 2., verm. Aufl.. Braunschweig: Vieweg, 1913. 272 S. (Die Wissenschaft. 38.)

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2 Antworten zu “Die Übertragung des „Relativitätsprinzips der Elektrodynamik“ auf die Mechanik soll mit keinem empirischen Ergebnis in Widerspruch geraten”

  1. Helmut Hille

    Das Problem ist doch, dass der Eindruck von Bewegung nur im Kopf des Beobachters existiert, sobald er Objekte zueinander in Beziehung setzt. Dazu bedient er sich einer uneigentlichen Sprache, denn unbelebte Dinge können weder „sich bewegen“ noch „ruhen“. Sie verharren von sich aus in ihrem Zustand (Newton, 1. Axiom). Ist ein Fixpunkt gesetzt, kann man ihre Lage zu diesem als Ortsveränderung beschreiben. Damit wäre sofort klar, dass es sich um Lageurteile eines Beobachters handelt und nicht um objektive Eigenschaften der Dinge. Daher hat Newton mit seiner Mathematik die Größe v eliminiert, während es sich bei Änderungen von v um das Einwirken einer realen Kraft handelt, von uns „Beschleunigung“ genannt, die unabhängig von einem absoluten Bezugssystem ist und festgestellt werden kann. Niemand braucht ein absolutes Bezugssystem. Newtons „absoluter Raum“ ist ein rein mathematischer, unabhängig von realen Gegenständen, weshalb er ihn „absolut“ nannte.

    Bei der SRT handelt es sich um ein Sprach- und Bildungsproblem. Würde sachlich richtig gesprochen, verschwindet ihre Argumentationskette und damit sie selbst. Und dass die Einheiten von physikalischen Messgrößen gemessen werden könnten, z.B. die Zeit, die das Maß der Dauer ist, ist ein Bildungsnotstand sondergleichen, denn ohne vom Menschen gesetzte Messeinheiten gibt es überhaupt nichts, was das Prädikat „messen“ verdient. Denn mit was wollte man dann messen? Wer das nicht weiß und versteht, sollte sich nicht Wissenschaftler nennen.

    Und ein Prinzip ist nur dann ein Prinzip, wenn es aus sich selbst heraus in innerer Logik verständlich ist. Und Axiome sind die Anwendung eines Prinzips auf einen speziellen Gegenstand, z.B. des Erhaltungsprinzips auf die Bewegungslehre Newtons. Nur wenn sich etwas nicht von sich aus in seinem Zustand erhält (das kann auch ein strahlender sein) bedarf dies einer Begründung. Was gibt es daran nicht zu verstehen???

  2. Helmut Hille

    Eine absolute Bewegung im ganz oben erwähnten Sinne wäre eine beschleunigte Bewegung (sprich Ortsveränderung), da diese unabhängig von einem Beobachter und seinem Bezugssystem passiert, wozu auch die Winkelbeschleunigung gehören. Alle sonstige „Bewegung“ ist relativ, nämlich immer zu einem von Menschen gesetzten Fixpunkt. Solange man sich das nicht klar macht, ist alle Diskussion zum Bewegungsbegriff vergebens. Man weiß dann gar nicht, von was man redet. Daher diese endlosen unfruchtbaren Diskussionen.
    Nichts für ungut!