Wolfgang Engelhardt zum Einstein-Artikel von Christian Schrader „Mensch und Mythos“

von Wolfgang Engelhardt

Christian Schrader entwirft in der Süddeutschen Zeitung Nr. 222 vom 26. Sept. 2015 anlässlich des 100jährigen Bestehens der Allgemeinen Relativitätstheorie ein ungewohntes Einstein-Bild, das mehr auf seine populäre Rezeption als auf sein Werk abhebt.

Bis auf Weiteres ist der doppelseitige Artikel zusammen mit einem Kommentar von Wolfgang Engelhardt auf dieser Seite Letter to Süddeutsche Zeitung mit freundlicher Genehmigung der Süddeutschen Zeitung kostenlos einsehbar.

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8 Antworten zu “Wolfgang Engelhardt zum Einstein-Artikel von Christian Schrader „Mensch und Mythos“”

  1. Helmut Hille

    Lieber Herr Engelhardt,
    das ist ganz ausgezeichnet und ausgewogen, was Sie da geschrieben haben. Wir haben es bei Einsteinpublikationen sonst nicht mit Wissenschaft sondern mit einem an das Religiöse grenzenden Kult zu tun. Solange der nicht bröckelt, wird es in der Physik keinen Fortschritt geben. Leider wird da Herr Schrader und die SZ nicht ausreichen, aber immerhin sehr lobenswert und vielleicht ein Anfang.
    Ihr Helmut Hille
    WEGE DES DENKENS

  2. Dr. Wolfgang Engelhardt

    Danke Herr Hille!

    Am 25. Oktober brachte der Deutschlandfunk eine Sendung Allgemeine Relativitätstheorie: Albert Einsteins Sturz steht bevor (Dienstag, 27.10.2015) von Dirk Lorenzen. Hieraus eine interessante Passage:

    „Luciano Iess von der römischen Universität La Sapienza hat im Jahr 2002 am bis dahin genauesten Test der Relativitätstheorie mitgewirkt. Seine Messungen passten auf 0,02 Promille genau zu den Vorhersagen. Iess hätte enttäuscht sein können.

    „Ich war erleichtert! Man stelle sich vor, wir hätten eine Abweichung von der Relativitätstheorie gemessen. Das wäre zwar eine Riesensache gewesen, aber wir hätten große Probleme gehabt, unsere Arbeit zu veröffentlichen. Denn natürlich hätte eine andere Forschergruppe dies bestätigen müssen. Uns hätte doch zunächst niemand geglaubt.“

    Das ist schon fast absurd: Da wissen die Physiker, dass das Gedankengebäude Albert Einsteins mindestens einer Ergänzung bedarf – aber die Forscher haben Angst vor der Entdeckung und freuen sich, wenn der große Coup nicht gelingt. Dabei ist es nur eine Frage der Zeit, bis das Denkmal stürzt.“

    Muss man sich da noch wundern, dass die Relativitätstheorien unaufhörlich aufs Neue bestätigt werden? Und was ist mit den experimentellen Widerlegungen, die ich in meinem Brief an Schrader genannt habe? Sie werden ignoriert. Aufsätze wie mein Einstein’s Third Postulate bleiben mit einer absurden Begründung unveröffentlicht.

    Grüße an alle Leser dieses Beitrags!
    Wolfgang Engelhardt

  3. Helmut Hille

    Das ist doch eine interessante Frage: Warum müssen Physiker immer wieder versuchen ausgerechnet die Relativitätstheorien zu bestätigen? Doch wohl, weil sie ihnen uneingestanden immer noch irgendwie eher unwahrscheinlich und unheimlich sind. Da es an guten Argumenten zu ihrer Gültigkeit fehlt, klammert man sich an sogenannte Beweise, um sich nicht selbst neue Gedanken zum Thema machen müssen.
    Menschliches Verstehen beruht auf Konstanten, auf die man sich verlassen kann, z.B. dass 1 +1 = 2 ist. Stellt man solche Grundkonstanten in Frage wie bei Einstein, dann gibt es 1. kein Verstehen und 2. nagt man an den Grundlagen unserer technischen Zivilisation – ein Verbrechen!

  4. Luitpold Mayr

    Die Relativitätstheorie hat sich nicht aus guten Gründen durchgesetzt, sondern in der Sensationshype der 1920er Jahre um Zeitreisen und Raumkrümmung sind die damals zahlreichen kritischen wissenschaftlichen Stimmen untergegangen. Die Irrationalität von damals ist in die wissenschaftliche Überzeugung des heutigen Mainstreams eingemündet, die nicht hinterfragt werden darf. Deshalb ist es gut, den Journalisten von Zeitungen und TV bei passenden Gelegenheiten einfache historische und wissenschaftliche Fakten unter die Nase zu reiben.

  5. Helmut Hille

    Worauf es ankommt:
    „Die Wahrheit ist in der richtigen Verwendung der Sprache zu finden.“
    (Ingeborg Bachmann)
    Peter Janisch 2009 in „Kein neues Menschenbild. Zur Sprache der Hirnforschung“: „Sprachvergessenheit ist zum Kennzeichen der Naturwissenschaften geworden.“
    Janischs Schlussfolgerung: „Sprachkritik ist die wichtigste Aufgabe, die die theoretische Philosophie heute übernehmen kann.“
    Bei strikter Verwendung sachlich zutreffender Begriffe verschwindet Einsteins Theorie von selbst. Ob brauchbare Gleichungen bleiben, mögen die Fachleute beurteilen.

  6. Lis

    Ggf. bitte den Link kopieren und im Browser einfügen:
    http://www.bilder-upload.eu/show.php?file=d5c7ac-1449265045.jpg

    Hier, mit obiger Bilddatei, zeige ich eine Situation auf, als Veranschaulichung dafür, wie ich mir in etwa vorstellen kann, dass es auf ähnliche Weise damals zu einer Fehlinterpretation der Mathematiker von Einstein gekommen sein kann, von dem, was er ihnen eigentlich zu erklären suchte.

    Die Herleitung zu Einsteins Postulat hat m. E. damit zu tun, dass entweder er selbst Äpfel mit Birnen verwechselte oder dass er einfach nur wie oben beschrieben, verkehrt verstanden wurde. Sein berühmtes Zitat, in dem er sinngemäß zum Ausdruck brachte, dass ihn die Mathematiker falsch verstanden haben dürften, spricht Bände.

  7. Luitpold Mayr

    zu Lis, Nr. 6:
    Alles was vom Betrachter weit entfernt ist, erscheint infolge perspektivischer Gesetze kleiner. Das gilt auch für die vom Flugzeug zurückgelegte Strecke, weshalb das Flugzeug scheinbar langsam fliegt.

    Das Beispiel zeigt, dass unsere Sinneseindrücke relativ sind. Manche Philosophen haben daraus um 1900 eine Weltanschauung gemacht: „Alles ist relativ“. Auch der junge Einstein war damals ein Anhänger dieser intellektuellen Mode. Doch der weltanschauliche Relativismus ignoriert, dass wir einen Verstand haben, der uns sagt, dass das Flugzeug in Wirklichkeit nicht mit 5 km/h, sondern mit 500 km/h fliegt.

    Mit der Relativitätstheorie hat das unmittelbar nichts zu tun, jedoch mit einer entscheidenden Ausnahme. Einstein behauptet, dass eine bewegte Uhr nicht scheinbar, sondern wirklich nachgeht. Das ist aber ausgeschlossen, weil die Zeitdilatation ein reziproker (wechselseitiger) Effekt ist – insofern vergleichbar den Regeln der Perspektive. Dass mir ein Mensch aus der Ferne betrachtet kleiner erscheint, gilt umgekehrt auch aus Sicht des anderen, der mich betrachtet. Bezogen auf die Relativitätstheorie: Wenn jede Uhr gegenüber allen anderen Uhren nachgeht, dann geht in Wirklichkeit keine Uhr nach.

    Im übrigen beruht die behauptete Zeitdilatation nicht auf Gesetzen der Perspektive, sondern laut Einstein auf unterschiedlicher Geschwindigkeit. Die Längenkontraktion ist laut Einstein eine Folge der Zeitdilatation.

  8. Jocelyne Lopez

    Ich bitte die Teilnehmerin Lis die Diskussion über perspektivische Gesetze in der entsprechenden, sehr umfangreichen Diskussion aus dem Jahre 2014 in diesem Blog fortzusetzen: sie ist hier bei dem Beitrag von Dr. Engelhardt off-Topic. Danke für das Verständnis.

    Jocelyne Lopez