Dogmatismus der Raumzeit-Physik: Gibt es noch aktive Erkenntnistheoretiker? Gibt es noch vernünftige Mathematiker?

Ich verweise auf eine umfangreiche Diskussion (zur Zeit 719 Kommentare) des Bloggers Stephan Schleim in der Diskussionsplattform SciLogs/Spektrum der Wissenschaft Zum Verhältnis von Glauben, Philosophie und Naturwissenschaft und gebe nachstehend Austausche mit einem Teilnehmer wieder:
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Zitat little Louis – 1. August 2018 – 18:09 Uhr

[…] Sind die bisherigen Verifikations- und Falsifikationsexperimente (die Empirie) jeweils wirklich geeignet (gewesen) , die Gültigkeit der RTs ( mit Folgerungen) eindeutig und zweifelsfrei zu beweisen. ? Und Gegenentwürfe zu widerlegen?

Oder sind alle positiven Ergebnisse diesbezüglich getrübt durch die Möglichkeit interessengeleiteter (Fehl-) INTERPRETATIONEN der zugrundeliegenden Messdaten. Was ja nicht nur Frau Lopez (und Umfeld) behauptet, sondern auch schon (spätestens) zu Anfang der Neunziger Jahre von Wissenschaftsanalytikern wie z. B. Collins/Pinch (1993: Der Golem der Forschung) zumindest angedeutet wurde.“ […]

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Zitat Jocelyne Lopez – 2. August 2018 – 10:06 Uhr

Das Problem mit der Gültigkeit der Einstein-Physik liegt viel tiefer als bei der experimentellen Verifikation, denn das Problem liegt bereits im Bereich der Philosophie bzw. der Erkenntnistheorie: Die Einstein-Physik ist nicht falsifizierbar.

– Man kann nicht eine Theorie experimentell nachprüfen, die auf Aporien aufgebaut ist. Man kann zum Beispiel nicht experimentell nachprüfen, dass von zwei Uhren jede jeweils langsamer als die andere läuft, das ist nicht möglich (Zwillingsparadoxon). Man kann zum Beispiel nicht experimentell nachprüfen, dass bei einer rotierenden Scheibe der Umfang sich verändert ohne dass der Radius sich verändert, das ist nicht möglich (Ehrenfest-Paradoxon).

– Man kann nicht eine Theorie experimentell nachprüfen, die keinen Gültigkeitsbereich hat: Die Einstein-Physik beschreibt die Bewegung von Objekten in einem kräftefreien Raum. Es gibt im ganzen Universum keinen einzigen Ort, der kräftefrei ist. Damit entzieht sich die Theorie selbst jegliche Möglichkeit einer experimentellen Verifikation.

– Man kann nicht Theorien experimentell überprüfen, die sich gegenseitig widerlegen, siehe zum Beispiel: Die Allgemeine Relativitätstheorie als Widerlegung der Speziellen Relativitätstheorie

– Man kann nicht eine Theorie experimentell überprüfen, die nur ein mathematisches Konstrukt ist, losgelöst von jeglicher physikalischen Realität, siehe zum Beispiel im Nachbachblog die Erläuterung eines Mathematikers über die Abkoppelung des „Minkowski-Raums“ bzw. der „Raumzeit“ von der Realphysik: Dirk Freyling – 29. Juli 2018 @ 14:44

Das wäre die Aufgabe der Philosophen, Erkenntnistheoretiker (und vernünftigen Mathematiker) den „Raumzeit-Physikern“ zu erklären, dass ihre Theorie nicht falsifizierbar und daher nicht zulässig, nicht gültig und nicht wissenschaftlich ist. Aber die Philosophen und die Erkenntnistheoretiker machen ihren Job nicht, sie haben sich von der Naturwissenschaft rauswerfen lassen, es gibt leider gar kein Verhältnis mehr zwischen Philosophie und Naturwissenschaft, Stephan Schleim könnte genauso gut im Titel seines Blogs “Zum Verhältnis von Glauben, Philosophie und Naturwissenschaft” das Wort “Philosophie” streichen. 🙁

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Zitat little Louis – 2. August 2018 – 13:30 Uhr

[…] Bezüglich der aktuellen Situation bezüglich der ” … Philosophen, Erkenntnistheoretiker (und vernünftigen Mathematiker) ..” bin ich nicht ganz so pessimistisch. Es sind nicht alle dogmatisch verhärtete “hardcore- Naturalisten”. Es gibt da neben dem, was allgemein eh als unberührbare Esoterikspinnerei gilt (!!), schon kleine innerwissenschaftlich- kritische Bewegungen. Wie (nur zum Beispiel) die GWUP- Abtrünnigen der “Gesellschaft für Anomalistik”. Doch auch diesen scheint (!) fundamentale RT- Kritik noch etwas zu heiß zu sein. Man kommt ja trotz nachgewiesen wissenschaftlichen Methodenanspruchs so schnell in den Ruf, “esoterische” Motive zu verfolgen. Und ist damit schon ausgebotet. Und wie soll man dann als Wissenschaftler seine Brötchen verdienen? […]

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Zitat Jocelyne Lopez – 2. August 2018 – 18:01 Uhr

Ich glaube, dass das Hauptproblem bei den „hardcore-Naturalisten“ der Raumzeit-Physik eben in erster Linie die Mathematiker sind, die sich mit dem mathematischen Konstrukt „Raumzeit“ völlig vergaloppiert haben und die Physik ohne jegliche Bezug auf die physikalische Realität beschlagnahmt haben. Der Minkowski-Raum war von Anfang an eine Spielwiese für mehr oder weniger exaltierte Mathematiker, angefangen mit Minkowski selbst, der offensichtlich einen Hang zu Religion, Mystizismus oder Esoterik hatte – Mathematiker haben ja bekanntlich selbst eine lange Tradition der Zahlenmystik und der Esoterik, sie könnten in dieser Hinsicht auch schnell “ausgebotet” werden. 😉

Der Konzept der Längenkontraktion hat Minkowski zum Beispiel von Lorentz übernommen, jedoch völlig irrational entstellt.

Lorentz hatte nämlich eine reale, materielle Längenkontraktion von bewegten Objekten im Äther postuliert, wobei die Ursache der Längenkontraktion in Bewegungsrichtung physikalisch war, und zwar der Widerstand des Äthers. Minkowski hat die Hypothese von Lorentz (und seine Formel) übernommen, jedoch ohne Annahme eines Äthers, so daß eine physikalische Kausalität der Längenkontraktion entfiel. Minkowski hat die Längekontraktion ohne physikalische Kausalität als … „Geschenk von oben“ erklärt (!!!)

Minkowski behandelt in seinem Vortrag 1908 die Längenkontraktion (S. 58-59). Lorentz habe sie wie gesagt als Hypothese zur Erklärung des Michelson-Morley-Versuchs eingeführt: „Diese Hypothese klingt äußerst phantastisch. Denn die Kontraktion ist nicht etwa als Folge von Widerständen im Äther zu denken, sondern rein als Geschenk von oben, als Begleitumstand des Umstandes der Bewegung.“

Hier haben wir also ein Beispiel von dem Einfluß der Religion auf hardcore Naturalisten… 😉

Von Anfang an war der Minkowski-Raum völlig losgelöst von jeglichen rationellen Naturgesetzen, es ist eine Spielwiese geworden, wo anschließend andere Mathematiker sich ausgetobt haben.

Einstein, der nicht besonders versiert in Mathematik war, hat diese Entwicklung mit Unbehagen genommen, wie folgende Zitate es dokumentieren:

Seit die Mathematiker über die Relativitätstheorie hergefallen sind, verstehe ich sie selbst nicht mehr.“

und

Mathematik ist die perfekte Methode, sich selbst an der Nase herum zu führen.“

und (zu einem Kind)

Mach’ dir keine Sorgen wegen deiner Schwierigkeiten mit der Mathematik. Ich kann dir versichern, dass meine noch größer sind.“

und

Soweit sich die Gesetze der Mathematik auf die Wirklichkeit beziehen, sind sie nicht sicher; soweit sie sicher sind, beziehen sie sich nicht auf die Wirklichkeit.“

Auch die beiden Physiker und Kritiker der RT Georg Galeczki und Peter Marquardt haben in ihrem gemeinsamen Buch „Requiem für die Spezielle Relativitätstheorie“ diese Umstände moniert: “Transformationen als Gaukler – Der Zirkus der Mathematik hält einige Taschenspielertricks bereit, die sich nicht leicht durchschauen lassen und oft für bare Physik genommen werden. Theimer (1977) zitiert Melchior Palágyi: „Mathematik schützt vor Torheit nicht“. Und was dabei herauskommt, ist Mathematismus, zur Formel erstarrte Pseudo-Physik.”

Die Mathematiker der Raumzeit haben die moderne Physik verbockt… 🙁 Dabei ist die Mathematik selbst keine Wissenschaft, sondern nur eine Sprache, sie kann nicht zu zusätzlichen naturwissenschaftlichen Erkenntnissen führen. Nicht nur die Philosophen und Erkenntnistheoretiker sollten sich die Raumzeit-Physik annehmen, sondern auch vernünftige Mathematiker. Es muss doch welche geben. Es gab sie auf jeden Fall in der kritischen Literatur seit 112 Jahren, sie werden aber genauso ignoriert wie die kritischen Physiker oder Philosophen.

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Zitat Jocelyne Lopez – 2. August 2018 – 20:45 Uhr

Mit der Quantentheorie habe ich mich nie befasst. Es gibt aber weltweit unzählige Wissenschaftler (Physiker, Mathematiker, Philosophen, Astronomen, Chemiker, Techniker oder Ingenieure, darunter auch zahlreiche Nobelpreisträger), die die Relativitätstheorie und ihr Konzept der „Raumzeit“ kritisiert haben.

Die Forschungsgruppe G.O. Muller, deren Dokumentation ich in der Öffentlichkeit zusammen mit Herrn Ekkehard Friebe vertrete, hat über 95 Jahre (1908-2003) alleine 1300 Autoren dokumentiert, mit rund 6000 kritischen Arbeiten, gegliedert in einem Kapitel 2 – Fehlerkatalog von rund 130 Theoriefehlern in 21 Sachgruppen, die wir separat und mundgerecht in unserer Webseite „Kritische Stimmen zur Relativitätstheorie“ vorgestellt haben. Also alles andere als Laienwissen…

In der Sachgruppe „Mathematik“ wird zum Beispiel die Arbeit eines hochqualifizierten Mathematikers rezensiert, der bereits 1908 (!!!) das Konzept der Raumzeit der SRT als untragbar in der Physik begutachtet hat – praktisch eine peer-review der Theorie, siehe: Paul Bernays – Über die Bedenklichkeiten der neueren Relativitätstheorie

 

Diese Dokumentation mit ihren hochqualifizierten Autoren und dem akribischen Nachweis ihrer Publikationen wurde inzwischen von 56 Universitätsbibliotheken im In- und Ausland katalogisiert, einschließlich in der Bibliothek des Bundes-verfassungsgerichts. Keine der Autoren und deren Kritikpunkte werden von der Mainstream-Physik seit 112 Jahren beachtet, untersucht oder diskutiert, geschweige denn ihre Argumente ausgeräumt. Alles wird ignoriert, unterdrückt und zensiert. Das kann keine Wissenschaft sein, die sich der Suche nach der Wahrheit verpflichtet hat und die man vertrauen kann. 🙁 Das ist Dogmatismus.

 

3 Antworten zu “Dogmatismus der Raumzeit-Physik: Gibt es noch aktive Erkenntnistheoretiker? Gibt es noch vernünftige Mathematiker?”

  1. Jocelyne Lopez

    Dem Einverständnis des Autors vorausgesetzt, kopiere ich nachstehen einen aktuellen Leserbrief von Karlheinz Baumgartl zu der Auszeichnung des Mathematikers Peter Scholze:

    Zitat:

    Auszeichnung eines Ausnahmemathematikers Peter Scholze …
    oder Bluff für die Öffentlichkeit ?

    Dieser Tage wurde der Mathematiker Peter Scholze durch eine Preisverleihung geehrt. Die öffentlichen Medien überschlugen sich mit gleichlautenden Superlativen, als wenn sie von einander abgeschrieben hätten. Für Peter Scholze sei die Fields-Medaille der endgültige Ritterschlag in der Welt der Mathematik. Der 30-Jährige gilt als Ausnahmetalent der Mathematik. Er hat die Idee der sogenannten perfektoiden Räume entwickelt. Peter Scholze gilt als einer der hoffnungsvollsten Mathematiker weltweit. Er wurde schon als Wunderkind und Genie gefeiert, mit 24 Jahren wurde er zum jüngsten Professor Deutschlands ernannt. Stolz raunen Studenten und Kollegen auf dem Flur, er gehöre schon jetzt zu den brilliantesten Vertretern seines Faches weltweit.

    Die allermeisten Menschen können ihm dabei nicht folgen. Auch wenn weltweit nur eine Handvoll Mathematiker zu verstehen glauben, woran Peter Scholze forscht, so war doch der Austausch mit Bonner Kommilitonen für ihn und seine Forschung enorm wichtig, sagt er. Er habe sehr viel von ihnen gelernt. Überhaupt wirkt der Ausnahme-Mathematiker sehr bescheiden: Er habe eigentlich keine besonderen Hobbys außer der Mathematik.

    Notwendige Kritik an der Mathematik

    Wir stoßen hier an einen heiklen Punkt. Kaum einer wagt sich mit einer Kritik an die Mathematik, weil ihr Denken so unwirklich geworden ist. Kritik an der heutigen Mathematik ist aber dringend notwendig. Mehr als uns allen bewußt ist, wird unser Denken durch diese Wissenschaft geprägt. Gerade dieses durch die staatliche Schulung anerzogene Denken hindert uns daran die Wirklichkeit zu begreifen. Es ist deshalb höchste Zeit, daß wir aufzeigen, wie unwahr die Inhalte sind, die dort behauptet werden. Wir müssen, wenn wir die Wirklichkeit begreifen wollen, zuerst das Unwirkliche erkennen. In Wirklichkeit liegen die Dinge etwas anders, als diese „Wissenschaft“ uns vormacht. Und wir brauchen nur etwas guten Willen, um auch hier das Wahre vom Unwahren zu trennen.

    Keine Angst, daß wir uns jetzt im Theoretischen verlieren würden. Aber wenn wir anders leben und somit anders denken wollen, wenn wir Raum schaffen wollen für das Neue, dann müssen wir auch der heutigen Schulmathematik den Boden entziehen, denn die Mathematik prägt unser Leben mehr als uns allen bewußt ist. Warum sollte der allgemeine Wahnsinn auch diesen wesentlichen Teil der Wissenschaften verschont haben ?

    Man nennt die Mathematik die „Königin der Wissenschaften“, weil sie so rein und so mächtig im Reich der Wissenschaften regiert. Die Probleme, mit denen sich die Mathematik beschäftigt, scheinen zunächst menschlich nicht erheblich. Inzwischen aber haben doch die Arbeiten praktische Bedeutung in allen Wissenschaftsbereichen gefunden, insbesondere in der Technik. Es ist unter Mathematikern üblich, den Außenstehenden zu erklären, ihre Wissenschaft sei nun einmal von der Art, daß was sie zutage fördere, in der Regel ein paar hundert Jahre später von großem praktischem Nutzen sei. In dem Bewußtsein, der übrigen Welt ein paar Jahrhunderte voraus zu sein, fühlen sich die Mathematiker auch recht wohl, – obgleich dieses Bewußtsein auf brüchigem Fundament steht, wie wir gleich sehen werden. Jede Unsicherheit in die Sicherheit der Mathematik muß aber das Vertrauen in die Naturwissenschaften und in die Technik untergraben. Zwar ist es richtig, daß die äußerst abstrakt und esoterisch anmutenden mathematischen Theorien später zu Instrumenten für die anderen Wissenschaften und zur Grundlage für die ganze Technik geworden sind, aber gerade den Herren Mathematikern steht es schlecht an zu sagen, daß dies zum Nutzen der Menschheit gewesen sei, hat doch die Entwicklung aus der Mathematik über die Technik in die heutige, greifbare Bedrohung der Menschheit geführt. Ja wir wissen nicht einmal, ob die Mathematik von heute überhaupt noch praktische Bedeutung gewinnen kann, wenn nämlich die Zerstörung der Erde weiter fortschreitet. Noch ein paar lebensfeindliche Erfindungen der „Wissenschaftler“, und die Menschheit hat sich selbst ausgerottet.

    Was die Mathematik „ist“, vermag sie selbst nicht auszudrücken. Reine Hirnakrobatik ohne den geistig-philosophischen Untergrund muß zum Irrsinn werden. Für die Frühgriechen war Mathematik noch Philosophie. Seit dem Altertum gilt sie als das Muster einer „exakten“ Wissenschaft. Die Exaktheit ihrer Begriffe, die Sicherheit ihrer Schlußweisen, findet ihre Rechtfertigung in zwei sehr wichtigen Gründen. Erstens ist das Gebäude der Mathematik, wenn man dieses intern für sich entwickelt, tatsächlich haltbar und gegen alle denkbaren Einwürfe gefeit. Zweitens haben die Begriffe und Methoden der Mathematik große Bedeutung erlangt in den Naturwissenschaften.

    Die Trennung von der Anschauung, die Trennung des Abstraktmathematischen von der konkreten Wirklichkeit, bedeutet die Abtrennung von der Philosophie und ist bereits Folge der allgemein auseinanderstrebenden Tendenz der Wissenschaften. Zweifelsfrei ist der ganze mathematische Bau einer anschaulichen Quelle entsprungen, während die Mathematik von heute in den meisten ihrer Zweige eine völlig abstrakte und von aller Anschauung losgelöste Form angenommen hat.

    Die Entdeckung der vielen Möglichkeiten in der Mathematik, die darauf beruhte, daß geometrische, algebraische, arithmetrische, topologische oder analytische Gesetzmäßigkeiten als eigene, von dem natürlichen Geschehen der Wirklichkeit losgelöste Gesetze behandelt werden können, die in strukturierten Mengen herrschen, brachte natürlich solche „Wissenschaftler“ auf die Idee, sich Mengen und Strukturen dieser Mengen einfach auszudenken, um zu sehen, was sich daraus an neuen Verhältnissen ergebe. Dies ist eine Manie der Algebraiker, die solche strukturierten Mengen geradezu am laufenden Band produzierten und dann merkten, daß es wiederum Strukturen von Strukturen gibt, die jene zunächst so willkürlich hergestellten Strukturen zu einem ganzen System von Algebren zusammenfaßten, die aber mit der Wirklichkeit nun wirklich nichts mehr zu tun haben konnten.

    Es meldeten sich immer wieder Mathematiker und Philosophen, die ganz und gar nicht einverstanden waren mit dieser Entwicklung. Nein, so könne man Mathematik nicht betrachten, nicht als ein abstraktes Gebäude aus strukturierten Mengen. Mathematik sei nicht ein Netz aus internen Schlüssen geknüpft, sondern zum entscheidenden Teil ein Lehrgebäude, dessen Fundamente durchaus die greifbaren Erfahrungen aus der Wirklichkeit zu sein hätten. – Der Streit um das Wesen der Mathematik geht weiter, aber er verliert sich im Rahmen der Wissenschaften in sich selbst. Er tangiert den forschenden Mathematiker nicht sonderlich, weil jeder sich auf seinen genehmen Stil festgelegt hat und schmalspurig nach diesem weiter arbeitet.

    Eines ist unumstößlich: Was immer ein mathematischer Lehrsatz besagt, gilt er nur unter den Voraussetzungen, unter denen er formuliert ist und damit in dem Rahmen der Mathematik, der dadurch aufgespannt ist. Aber die Richtigkeit besteht immer nur in Bezug auf die (gewillkürten) Grundvoraussetzungen, nicht also im Sinne einer Wahrheit. Wahrheit und Irrtum liegen oft eng beieinander. Die großen Irrtümer folgen oft aus den kleinen Fehleinschätzungen im Leben. So ist es auch in der Wissenschaft der Zahlen und Räume. Besteht die Wirklichkeit nun wirklich aus Punkten, Geraden, Flächen ? Beschreibt die euklidische Geometrie die Wirklichkeit oder ist sie nicht mehr als ein internes Gebäude der Mathematik ? Im letzteren Fall müssen wir die ganze Kosmologie neu bedenken! Die Frage ist also ungeheuer wichtig. Unser Selbstverständnis hängt davon ab, ob wir jetzt gründlich oder ungründlich (oberflächlich) denken.

    Der Mensch hat das Denken nicht erfunden, so wie das Auge nicht das Sehen. Wie das Auge die Sonne abbildet, ist das menschliche Hirn ein Abbild der kosmischen Wirklichkeit. Der Mensch ist nicht nur Abbild der Sonne, sondern der ganzen Welt, er ist (theologisch gesprochen) das „Ebenbild Gottes“. Deshalb kann sich unsere Anschauung niemals nur auf den begrenzten Lebensraum beziehen, sondern sie ist durch das vom Kosmos geprägte Denken auf die Dimension des GANZEN hin angelegt. Ich bin ein TEIL von Gott und alles, was ich für das optimale Erleben dieser Teilhaberschaft brauche, ist mir möglich, auch das tiefe Erkennen.

    Intelligenz ist die naturgegebene Fähigkeit wahrzunehmen. Jedes Kind wird intelligent geboren. Wir und die Gesellschaft erziehen unsere Kinder zur Dummheit. Früher oder später werden sie stumpfsinnig. Intelligenz ist eine natürliche Angelegenheit, so wie das Atmen oder das Sehen. Sie ist die intuitive Fähigkeit zu schauen und hat nichts mit dem Intellekt zu tun. Der menschliche Geist und der Verstand sind verschiedene Dinge. Der Verstand wird uns von anderen „beigebracht“. Er wird uns durch Schulen aufgezwungen. Aber Intelligenz ist angeboren, sie ist unsere ureigentliche Natur. Es gibt keine dummen Kinder. Aber nur selten trifft man intelligente Erwachsene an. In der Zwischenzeit geht irgendetwas schief.

    Mit freundlichem Gruß

    Karlheinz Baumgartl, Heimatforscher und Kosmologe

    Zitatende

  2. Peter

    Ich selbst gehöre zu den „vernünftigen“ Mathematikern, die nie die Illusion hatten, daß damit die Welt zu erklären sei oder alle Probleme gelöst werden können, so wie es Botwinnik glaubte, der allen Ernstes meinte, daß Computer (!) so grundlegende Probleme wie Krieg, Hunger , Terror usw. lösen könnten. Eine unglaubliche Verkennung dessen, was Technik kann.

    Sicher hat die Mathematisierung der modernen Physik großen Schaden zugefügt, man sollte aber nicht verschweigen, daß auch die Religionen daran nicht wenig Schuld haben. Zum Beispiel ist die Urknalltheorie eine rein religiöse Erfindung, die wegen ein paar Beobachtungen, die sie scheinbar bestätigten und laut Ripota auch dreisten Lügen (Voraussage der Temperatur der Hintergrundstrahlung 50K statt 2,7K) gnadenlos zementiert wurde.

    Daß ungewöhnliche Ideeen, die auch eine Schnapsidee sein können, in der Öffentlichkeit Gehör finden, ist leider auch nichts Neues :

    Es gibt in der Zahlentheorie eine sehr schwierige Vermutung , die sogenannte abc-Vermutung. Kürzlich behauptete ein Mathematiker, er hätte sie bewiesen, indes , kein Mathematiker der Welt versteht seinen Beweis (was einige „Trittbrettfahrer“ natürlich nicht davon abgehalten hat, seinen Beweis zu bstätigen). Das erinnert irgendwie an die Relativitätstheorie, daß nun aber sogar die Mathematik betroffen ist, stimmt schon nachdenklich, zumal die abc-Vermutung nicht die geringsten Konsequenzen für die Praxis hat.

    Noch ein paar Worte zur Religion : ich habe auch lange versucht an Gott zu glauben, aber heute kann ich es nicht mehr, weil nichts zusammen passt und sie mit der wirklichen Welt nicht unter einen Hut zu bringen ist. Daher folge ich auch hier Karl Poppers Maxime und sehe Religionen als falsifiziert an. Eine dieser Religionen ist die moderne Physik.

  3. Luitpold Mayr

    In dem Blog von Stefan Schleim ist u.a. die Rede von Falsifizierbarkeit, Mathematismus, Erkenntnistheorie, Begriffe die oft auch im Zusammenhang mit der Relativitätskritik auftauchen.

    – Die Falsifizierbarkeit ist nach Karl Popper das Abgrenzungskriterium zwischen erfahrungswissenschaftlichen Ausagen und metaphysischen Aussagen. Einsteins Relativitätstheorien sind ein Konglomerat von beiden Arten von Aussagen, wodurch die Diskussion erschwert wird.

    – Mathematisierung. Selbst in den Wirtschaftswissenschaften bedauern Fachleute den hohen Grad an Mathematisierung. Dadurch habe die Wirtschaftswissenschaft den Kontakt zur Realität verloren und sei zu Science-Fiction geworden, sagt z.B. der international renommierte Ökonom Thomas Sedlacek. In der Physik gibt es weitaus mehr mathematisch formulierbare Gesetzmäßigkeiten, weshalb die Mathematisierung hier schon 120 Jahre früher anfing. Für viele Wissenschaftler um 1900 war die Mathematik eine Ersatzreligion. Weil man glaubte, die Welt sei mathematisch strukturiert, hielt man jede mathematisch fehlerfreie Aussage für ein Abbild der Wirklichkeit. Bei aller Wertschätzung der Mathematik als Grundlage unserer technischen Zivilisation – mit Mathematik kann man jeden Unsinn beweisen, wenn man nur die Voraussetzungen, über welche die Mathematik etwas aussagen soll, entsprechend wählt.

    – Erkenntnistheorie. Der junge Einstein war 1905, als er seine Relativitätstheorie veröffentlichte, von der positivistischen und sensualistischen Erkenntnistheorie seines Vorbildes Ernst Mach überzeugt. Sie lautet auf den Punkt gebracht: Die Beobachtung ist unsere einzige Wirklichkeit. (Was beinhaltet, dass die Verstandeslogik für unsere Erkenntnisfähigkeit ohne Belang ist). Dadurch wird u.a. die Behauptung Einsteins erklärbar, eine bewegte Uhr gehe nicht scheinbar, sondern wirklich nach. Zwanzig Jahre später hat Einstein, von Werner Heisenberg auf die Relativitätstheorie angesprochen, gesagt: Es mag sein, dass ich diese Philosophie verwendet habe, aber sie ist trotzdem Unsinn.

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