Die sensationell übersteigerte Berichterstattung über die beiden Relativitätstheorien in den gedruckten Medien 1920-23

von G.O. Mueller

Aus der Dokumentation von G.O. Mueller Kapitel 2 – Fehlerkatalog: V – Entstehungs- u. Erhaltungsmotive – Fehler Nr. 4 (English Version…):

Die sensationell übersteigerte Berichterstattung über die beiden Relativitätstheorien in den gedruckten Medien 1920-23 hat zu einer Massensuggestion geführt, die von den Relativisten in zynischer Weise mißbraucht worden ist

Wenn eine völlig haltlose Theorie in der Wissenschaft durchgesetzt und
aufrechterhalten werden kann, müssen die Entstehungs- und Durchsetzungsmotive irrational sein.

E. Gehrcke 1924 gibt seiner Diagnose bereits im Buchtitel Ausdruck: Massensuggestion. Im Vorwort (S. V-VI) verweist er darauf, daß er schon seit 1912 die Auffassung vertreten hat, „daß die Relativitätstheorie eine psychologisch interessante Seite besitzt und zu einer Massensuggestion geworden war.“

Seine Kritik an der Theorie wurde nicht nur von vielen Kollegen ablehnend aufgenommen, sondern trug ihm auch persönliche Gegnerschaft ein. Er hat im Laufe der Jahre eine Sammlung von Dokumenten, großenteils Zeitungsausschnitten, angelegt, die die Entwicklung der öffentlichen Diskussion belegt. (S. VI): „Drittens ist neuerdings in der Öffentlichkeit ausgesprochen worden, der Urheber der Relativitätsbewegung, EINSTEIN, habe selbst eine ‚psychopathologische Untersuchung‘ der Tatsache gefordert, daß die Menge, welche die Theorie gar nicht verstehen konnte, ein so brennendes Interesse an ihr nahm. Dieses Verlangen, das im höchsten Maße beachtenswert ist, war für mich ausschlaggebend, nunmehr an der Hand meiner Dokumentensammlung die psychologische Seite der Relativitätstheorie zur Darstellung zu bringen. Das Ergebnis wird nicht nur dem Psychologen im engeren Sinne, sondern auch dem Historiker und Politiker wertvolle Einblicke in manche Erscheinung des geistigen Lebens unserer Zeit bieten und, wie ich hoffe, eine Lehre für die Zukunft sein, wenn neue Massensuggestionen über uns hereinbrechen.“ Verweist für Albert Einsteins Vorschlag für eine psychopathologische Untersuchung auf ein Dokument, das er, Gehrcke, auf S. 32-33 zitatweise abgedruckt hat (Artikel in: Westdeutsche Zeitung, Düsseldorf, 28.4.1921).

Die Diagnose einer Massensuggestion wird von Relativisten und Kritikern durchaus geteilt, wie das Einstein-Zitat zeigt. Die Bewertung dieser psychologischen Wirkung ist recht verschieden:

(1) Albert Einstein als die zentrale Person des öffentlichen Interesses bewertet den Rummel um seine Person negativ und das Interesse der breiten Masse der Laien als unverständlich, sogar als möglicherweise psychopathisch, weshalb er eine diesbezügliche Untersuchung vorschlägt. Ebenso äußern sich auch andere prominente Vertreter der Relativistik.

(2) Die weniger prominenten Vertreter und das allgemeine Publikum selbst sehen in der übersteigerten Berichterstattung einen schlagenden Beweis für die Richtigkeit und Großartigkeit der Theorien von Albert Einstein und die verdiente Anerkennung für die geistigen revolutionären Großtaten des neuen Kopernikus-Galilei-Newton.

(3) Die Kritiker halten das Medienspektakel für eine gezielte und aus dem Hintergrund von den Relativisten gesteuerte Kampagne zur Durchsetzung der Theorie und zugleich zur Diffamierung jeglicher Kritik als unverständig, altmodisch und nur aus Neid und Antisemitismus motiviert. Die Kritiker thematisieren den allseits beklagten „Presserummel“ relativ selten; sie erkennen jedoch, daß die Medien die Tendenz entwickeln, die Sensation affirmativ zu verstärken, anstatt in der breiten Öffentlichkeit eine Diskussion mit Abwägung des Für und Wider zu ermöglichen, weil die Öffentlichkeit selbst gar nicht in der Lage war, die Theorien sachgerecht zu diskutieren.

Die Öffentlichkeit entwickelt einerseits ein starkes Interesse für die suggestiven Behauptungen der Theorie wie Aufhebung der Zeitordnung, Umkehrung der Bewegungsverhältnisse und Jüngerbleiben von Reisenden; ihr fehlt jedoch für diese Materie die Fähigkeit zur kritischen Rezeption, weshalb sie alles glauben muß, was die Relativisten ihnen berichten, und nur staunend applaudieren kann. Mit der Sensationsmacherei fördert der Presserummel nur die unkritische Rezeption und affirmative Tendenz und eine zügellose Phantasterei, die sich bis heute in der Science Fiction und der Esoterik austobt.

Die Kritik erlebt die Massensuggestion als Niederlage, als Verlust einer Plattform für die rationale Erörterung in der Öffentlichkeit, und als zynischen Mißbrauch der Relativisten zur Absicherung ihrer Machtposition. Die Ausnutzung einer Massensuggestion für die Zwecke einer physikalischen Theorie ist ein irrationales Motiv.

Die meisten Kritiker können angesichts der Sensationsmacherei der Medien, wozu neben den Druckerzeugnissen allmählich auch schon der Film und der Rundfunk gehören, nur ihrer Fassungslosigkeit über den geballten Unsinn und die zynische Manipulation durch die Relativisten Ausdruck geben.

Völlig machtlos sind die Kritiker gegen die von den Relativisten in der öffentlichen Argumentation lancierte Versicherung, die Theorien von Albert Einstein würden von der breiten Mehrheit der Physiker akzeptiert, damit sei die Richtigkeit der Theorien erwiesen, und im übrigen hätten Nicht-Physiker überhaupt keine Kompetenz zur Kritik. Sie suggerieren der Allgemeinheit erfolgreich, in der Physik würden – wie aus den Parlamenten geläufig – Mehrheitsvoten über die Richtigkeit der Theorien entscheiden, und die Mehrheit der Physiker könne sich nicht irren, und im übrigen sei das Ganze eine Sache allein der Physiker, in die ihnen niemand hineinzureden habe, die die Öffentlichkeit vielmehr nur gläubig entgegenzunehmen habe.

Einerseits sind die Relativisten von der Sensationsgier der Medien selbst überrascht worden, andererseits haben sie schnell die Möglichkeiten zur Manipulation ergriffen und die affirmative Tendenz jeder Sensations-Berichterstattung für ihre Theorien ausgebeutet. Die Medien haben wahrscheinlich dazu beigetragen, daß die Relativisten glauben konnten, sie würden die öffentliche Erörterung ihrer Theorien auf alle Ewigkeit kontrollieren und autoritär beherrschen können. Dieser Glaube wird ihnen in den Zeiten des Internet abhanden kommen.

Gehrcke, Ernst: Die Massensuggestion der Relativitätstheorie : kulturhistorisch-psychologische Dokumente. Berlin: Meusser, 1924. 108 S.

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4 Antworten zu “Die sensationell übersteigerte Berichterstattung über die beiden Relativitätstheorien in den gedruckten Medien 1920-23”

  1. Timo Kreuzer

    „Völlig machtlos sind die Kritiker gegen die von den Relativisten in der öffentlichen Argumentation lancierte Versicherung, die Theorien von Albert Einstein würden von der breiten Mehrheit der Physiker akzeptiert, damit sei die Richtigkeit der Theorien erwiesen, und im übrigen hätten Nicht-Physiker überhaupt keine Kompetenz zur Kritik. Sie suggerieren der Allgemeinheit erfolgreich, in der Physik würden – wie aus den Parlamenten geläufig – Mehrheitsvoten über die Richtigkeit der Theorien entscheiden, und die Mehrheit der Physiker könne sich nicht irren, und im übrigen sei das Ganze eine Sache allein der Physiker, in die ihnen niemand hineinzureden habe, die die Öffentlichkeit vielmehr nur gläubig entgegenzunehmen habe.“

    1. Es wird wohl kein Physiker je behauptet haben, die Tatsache, dass eine Theorie von der breiten Mehrheit der Wissenschaftler akzeptiert ist, sei ein Beweis für die Richtigkeit der Theorie. Das ist offensichtlich lediglich die Interpretation des Autors.

    2. Die Tatsache, dass eine Theorie von der breiten Mehrheit der Wissenschaftler akzeptiert ist, bedeutet auch, dass die Theorie (insbesondere wenn sie so kontra-intuitiv ist) sehr gründlich untersucht wurde und keine Fehler gefunden werden konnten. Was wiederum dafür spricht, dass die Theorie das beste ist, was wir derzeit haben. Das und nur das ist das Qualitätsmerkmal einer Theorie. Eine Theorie muss Voraussagen erlauben, die falsifizierbar sind. Eine Theorie ist solange eine gute Theorie, solange niemand Kernaussagen wiederlegen kann und es keine bessere (einfachere) Theorie gibt, die die gleichen oder bessere/korrektere Aussagen macht.
    Es reicht nicht zu sagen, mir gefällt ds nicht, das muss falsch sein. Man muss es schlüssig beweisen können oder eine Theorie liefern, die besser ist. Das können Laien aber nicht.

    3. Nicht-Physiker/Mathematiker haben nunmal in der Regel keinerlei Kompetenz, diese Theorien auf ihre Richtigkeit hin zu beurteilen. Das Bauchgefühl oder der Glaube helfen leider nicht weiter. Ein Architekt hat wohl auch kaum eine Kompetenz, zu beurteilen, ob ein bestimmtes Fossil das Bindeglied zwischen dem Archeopterix und einem Vogel ist.
    Leider ist es eine Tatsache, dass oft gerade diejenigen Menschen, die keinerlei wissenschaftliche Kompetenz haben, meinen, über wissenschaftliche Theorien urteilen zu können, als sei Wissenschaft eine Art Demokratie, bei der sie ihr Mitspracherecht einfordern könnten.

    4. Was die „Öffentlichkeit“ glaubt oder nicht glaubt, von einer Theorie hält oder auch nicht hält, ist vollkommen irrelevant. Es gibt immer noch Milliarden von Menschen, die an irrationalem Götterglauben festhalten und sogar solche, die die Bibel / den Koran wörtlich nehmen und glauben, die Erde sei 6000 Jahre alt, etc. Würden solche Menschen (die leider das Gros der „Öffentlichkeit“ ausmachen) in der Wissenschaft etwas zu sagen haben, dann würden wir immer noch mit Kutschen fahren.

  2. Bernhard Berger

    Hallole,

    nach meinem Augenschein (Recherchen im Internet) verhält es sich so, dass die ART/SRT den Prozess der Falzifizierung nie durchlaufen hat sondern von Anfang an behindert wurde!

    Wenn die ART/SRT so gut bewiesen ist wie es behauptet wir, warum scheut dann die Wissenschaft eine öffentliche Auseinandersetzung mit den Kritikern? Zumindes scheint mir das so zu sein.

    In meinen Augen ist es überfällig das Thema SRT/ART öffentlich auszudiskutieren!

    Die besten Beführworter sollten mit den besten Kritikern einen öffentlich ausgetragenen ‚Argumentationswettkampf‘ ausführen.

    Es wäre hoch interessant was die Beführworten den Argumenten der Kritiker entgegen zu bringen im Stande wären.

    Ich denke, dass die Wissenschaft dabei ein seehr langes Gesicht machen und diesen Argumetationskampf haushoch verlieren würde.

    Mir scheint, dass die ART/SRT nur durch eine ‚Diktat‘ zu halten ist.

  3. Jocelyne Lopez

    Zitat Bernhard Berger:

    Wenn die ART/SRT so gut bewiesen ist wie es behauptet wir, warum scheut dann die Wissenschaft eine öffentliche Auseinandersetzung mit den Kritikern? Zumindes scheint mir das so zu sein.

    In meinen Augen ist es überfällig das Thema SRT/ART öffentlich auszudiskutieren!

    Die besten Beführworter sollten mit den besten Kritikern einen öffentlich ausgetragenen ‘Argumentationswettkampf’ ausführen.

    Es wäre hoch interessant was die Beführworten den Argumenten der Kritiker entgegen zu bringen im Stande wären.

    Das ist nicht möglich: Kein einziger Befürworter der Relativitätstheorie mit Rang und Namen wird sich je einem Meinungsstreit mit Kritikern stellen, vor allem nicht in der Öffentlichkeit. So etwas gibt es nicht und wird es auch nie geben, davon bin ich persönlich überzeugt. Es ist meiner Meinung nach völlig unrealistisch zu hoffen, dass ein öffentlicher Meinungsstreit zwischen Befürwortern und Kritikern von gleichem Ausbildungsstand und unter Klarnamen je stattfinden kann und stattfinden wird, das ist eine völlig unrealistische Vorstellung.

    Noch 2011 haben zum Beispiel US-amerikanische Kritiker eine umfangreiche Studie über die Kernaussagen der Relativitätstheorie im Rahmen des berühmten Zwillingsparadoxons ausgearbeitet und Mainstream-Wissenschaftler eingeladen, sich an einen Dialog zu beteiligen. Die Einladung wurde weltweit von ca. 150 Kritikern (überwiegend mit universitärer Qualifikation) unterschrieben und unterstützt.

    Aus Deutschland wurden qualifizierte Befürworter auch persönlich eingeladen, sich daran zu beteiligen: Die Gründungsdirektoren vom Albert Einstein Institut (Prof. Hermann Nicolai, Prof. Bernard Schutz, Prof. Gerhard Huisken) und ein Mitarbeiter vom Albert Einstein Institut (Dr. Markus Pössel), sowie Prof. Harald Lesch, Prof. Ernst-Peter Fischer, Prof. Norbert Dragon, Prof. Wolfgang Sandner und Prof. Franz Embacher. Kein einziger hat sich einem Meinungsstreit gestellt.

    Siehe auch: Mainstream-Antworte auf die Unterschriftenaktion “Zwillingsparadoxon” aus den USA

    Die Relativitätstheorie ist nicht durch einen Meinungsstreit zwischen qualifizierten Wissenschaftlern zu hinterfragen und zu diskutieren. Das ist völlig auszuschließen. Ein Dialog ist nicht möglich und von der Seite der Befürworter der Theorie auch nicht erwünscht, ganz im Gegenteil: Sie fürchten einen Meinungsstreit wie die Pest. Warum wohl? 😉

    Viele Grüße
    Jocelyne Lopez

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